Entwicklungen der InsurTech-Start-ups in Europa

Wie bei vielen technologischen Fortschritten, haben auch InsurTechs ihre Anfänge in den Vereinigten Staaten. Der US-Markt weist noch immer das höchste Marktvolumen und die höchste Geschäftstätigkeit auf. Allerdings konnte man in den letzten Jahren eine rapide Veränderung erkennen. Noch 2014 haben die US-amerikanischen Start-ups mehr als 80 % aller Investitionen in diesem Bereich für sich verbuchen können. Bereits 2016 hat sich dieses Verhältnis signifikant verändert und der Anteil ist auf 59 % geschrumpft. Mit den Zugpferden Großbritannien und Deutschland (6 % bzw. 5 % des globalen Marktanteils) konnte Europa aufholen.

 

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Die Aussichten für InsurTechs in Europa sehen bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 36 % in den Jahren 2011 bis 2016 rosig aus. Es gibt keine Anzeichen für eine Abschwächung dieser fulminanten Entwicklung. Das erwartete Marktvolumen in Europa könnte laut Burnmark von 113 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 auf 168 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 steigen.

Nichtsdestotrotz müssen die Start-ups einige Herausforderungen überwinden, um in Zukunft erfolgreich bestehen zu können. Große Probleme bereitet beispielsweise die Kundengewinnung, denn bisher haben es nur wenige der jungen Unternehmen geschafft, Geld zu verdienen. Aus diesem Grund versuchen viele, Partnerschaften mit etablierten Versicherern einzugehen oder Investoren zu gewinnen. Diese verlockenden Möglichkeiten schaffen zwar Wachstum und eine ausreichende Kapitalausstattung, allerdings verringert sich die Chance, als ein unabhängiger Player zu agieren. Einige vielversprechende InsurTechs werden aller Wahrscheinlichkeit nach entweder aufgekauft oder exklusive Partnerschaften mit Branchengrößen wie der Allianz, AXA oder der Munich Re eingehen, welche aktiv nach derartigen Investments Ausschau halten.

Der InsurTech-Sektor befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase: Zwei Drittel aller Deals fanden in einem frühen Stadium, entweder in Seed- oder Series A-Finanzierungsrunden, statt. Das zeigt, wie jung die Branche noch ist. Hierin liegt auch einer der Gründe, weshalb es bislang noch kein europäisches InsurTech zu durchschlagendem Erfolg gebracht hat, der mit dem von Lemonade oder Trov (auch wenn Trov auf dem UK-Markt vertreten ist) zu vergleichen wäre. Allerdings ist eine vielversprechende Ideenvielfalt zu beobachten, die nicht nur auf Absatzoptimierung ausgerichtet ist, sondern auch auf die Optimierung von Prozessen im Schadenmanagement, fortschrittliche Analysefunktionen oder den Einsatz von Drohnen zur besseren Bewertung von Schäden.

Es kann festgehalten werden, dass sich die europäische InsurTech-Landschaft eher am Beginn einer Evolution befindet und man noch nicht von einer Revolution sprechen sollte. Kein InsurTech hat in naher Zukunft die Chance, den europäischen Markt auf eigene Faust grundlegend zu verändern. Partnerschaften mit den etablierten Versicherern scheinen momentan sinnvoll und sind weit verbreitet. InsurTechs stellen für die großen und oft als träge wahrgenommenen Player eine großartige Gelegenheit dar, um ihre Digitalisierung voranzubringen. Das eigene Kerngeschäft zu verändern, ist ein mutiger und schwerer Schritt. Trotzdem bemühen sich viele Versicherer Vorstöße in diese Richtung zu unternehmen und verfolgen dabei proaktive oder eher konservative Strategien. Die Zukunft wird zeigen, wie erfolgreich die unterschiedlichen Ansätze sind. Eins ist sicher: Versicherer müssen jetzt auf die ein oder andere Weise handeln, um vorbereitet zu sein, wenn die rollende InsurTech-Welle die Branche erfasst und das klassische Geschäft durch innovative Lösungen ersetzt. Die Erfahrungen aus dem Bankgeschäft zeigen, dass dies wohl nur eine Frage der Zeit ist.


 

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