Neue Akteure rütteln KFZ-Versicherer auf

Tesla, vor allem für seine elektrischen und teilautonomen Fahrzeuge bekannt, hat jüngst verlautbaren lassen, dass man erwägt, individuelle Versicherungspolicen für seine Kunden anzubieten. Diese Policen berücksichtigen sowohl die deutlich niedrigeren Verschleißkosten im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, als auch die hohen Sicherheitsstandards der Tesla-Modelle. Ende 2016 führte Tesla bereits ein vergleichbares Angebot namens InsureMyTesla in Honkong, in einer Kooperation mit der AXA Versicherung, ein.

 

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Tesla räumt ein, dass man sich die Vorteile, welche aus dem eigenen Datenschatz über die Sicherheitsausstattung resultieren, zu Nutze macht. Der Automobilhersteller verfügt im Vergleich zu einem Versicherungsunternehmen über bessere Mittel, um fahrzeugbezogene Risiken zu bewerten. Dementsprechend können überlegene maßgeschneiderte Lösungen angeboten und ihr Preis in die Gesamtkosten des Automobils eingerechnet werden. Weiterhin ist davon auszugehen, dass das Angebot auf einem differenzierten Modell basiert und sicheres Fahrverhalten fördert.

Die Lösung wurde in einem Pilotprojekt in Hongkong, einem Ort mit einer der weltweit höchsten Tesla-Dichte, getestet. Ein ähnliches Angebot ist auch in Australien in einer Kooperation mit QBE verfügbar. Die Einführung in anderen Märkten, insbesondere in den Vereinigten Staaten, scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Die Ankündigung von Tesla wurde vom Markt sehr positiv aufgenommen. So hat Morgan Stanley sein Kursziel von Tesla Aktien auf 305 US-Dollar erhöht, bei einem aktuellen Handelswert von circa 250 US-Dollar.

Diese Entwicklungen sind ein weiteres Signal für etablierte Versicherer, dass eine der traditionellen Einnahmequellen in der Zukunft versiegen könnte. Einem Bericht von BCG zufolge, könnte der KFZ-Versicherungsmarkt in gesättigten Märkten bis 2040 um 80% einbrechen. Gründe dafür sind vor allem in dem umfangreichen Einsatz von Sicherheitsvorkehrungen, wie sie Tesla bereits anbietet, zu sehen. Dies stellt einen enormen Anpassungsdruck für den Markt dar. Allerdings ist noch ausreichend Zeit für die etablierten Unternehmen um neue Technologien und Systeme einzuführen, welche benötigt werden, um sich den rasch wandelnden Marktbedingungen anpassen zu können.

Die gegenwärtige Rolle der Versicherer in diesen Entwicklungen legt die Vermutung nahe, dass die heutigen großen Player in Zukunft eher die Rolle des Versicherungspartners oder Rückversicherers einnehmen und nicht als Direktversicherer agieren. Die Chance bietet sich schon jetzt und es stellt sich die Frage wer schnell genug reagieren wird und die Gelegenheit nutzen kann.


 

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