MaGO: Aufsicht prüft Versicherer künftig wie Banken

Seit 1. Februar 2017 gelten strengere Anforderungen an die Geschäftsorganisation von Versicherungen (MaGo). In den Vorstandsetagen hat das bisher ein erstaunlich leises Echo hervorgerufen. Dabei zeichnet sich ab, dass die Aufsicht ihre Prüfungspraxis künftig an den Banken orientiert. Und das bedeutet einen wesentlich härteren Durchgriff als vermutet.

Viele Assekuranzen dürfte das sich abzeichnende Aufsichtsregime auf dem völlig falschen Fuß erwischen. Häufig haben die Versicherer gerade erst die Solvency-II-Projekte abgeschlossen und damit die vielfach nötigen Restrukturierungen vorgenommen.

 

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Nach der Katerstimmung kommt es dicke

Während der ersten Prüfungswellen hat die BaFin zudem in erster Linie die Kapitalausstattung der Unternehmen überprüft. Mit der MaGo greift die Aufsicht jedoch viel stärker in die tatsächliche Versicherungspraxis ein, wie das Beispiel der Funktionstrennung zeigt. Dies hat kaum eine Assekuranz in seiner Brisanz bisher erkannt. Für integrierte Organisationsansätze müssen künftig eindeutige und klar formulierte Aufgaben und Zuweisungen vorgelegt werden – und zwar bis auf Gruppenebene hinunter (MaGo Ziff. 9).

Ähnlich wie von den Banken verlangt die Aufsicht darüber hinaus, dass alle internen Abläufe möglichst standardisiert dokumentiert und in schriftlichen Leitlinien festgehalten sind. Konkret wollen die Prüfer auf den ersten Blick das Geschäftsmodell und darin enthaltene Risiken verstehen. Folglich spielen plötzlich Kriterien wie Risikoprofil, internes Kontrollsystem und eine entsprechende Würdigung im Prozessmodell eine entscheidende Rolle (MaGo Ziff. 12).

Teils disruptive Kulturveränderung

Dass es sich bei der MaGo nicht nur um eine kosmetische Pflichtübung handelt, zeigt auch die Bedeutung möglicher Haftungsfragen, die mit dem neuen Aufsichtsrecht Einzug halten. So müssen die schriftlichen Leitlinien nicht nur klare Verantwortlichkeiten definieren. Geschäftsleiter sind künftig gezwungen, wesentlichen Änderungen an der Geschäftsorganisation explizit zuzustimmen (MaGo Ziff. 8.3).

Das Anweisungswesen vieler Versicherer kann das jedoch kaum leisten. Nur selten liegen die schriftlichen Leitlinien prozessorientiert vor. Auf Knopfdruck ist also kaum jemand in der Lage, bei eventuellen Änderungen am Prozessmodell mögliche Auswirkungen sofort zu ermessen. Darin steckt ein kaum zu unterschätzendes wirtschaftliches Risiko. Denn in einem hoch volatilen Marktumfeld – InsurTechs, Digitalisierung, Niedrigzinsen – können langwierige Prüfungs- und Entscheidungswege schnell über Wohl und Wehe einzelner Häuser entscheiden.

Mitarbeiter stärker in der Pflicht

Wer jetzt glaubt, die MaGo sei ein reines Führungsthema oder gar nur für das Topmanagement interessant, der irrt. Zwar werden die schriftlichen Leitlinien von Anforderungen an den Grundsatz der unternehmerischen Vorsicht („Prudent Person Principle“) getragen und berücksichtigen natürlich auch die Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung (ORSA – „Own Risk and Solvency Assessment“), doch die Mitarbeiter müssen im Tagesgeschäft dementsprechend handeln.

Da die schriftlichen Leitlinien künftig zum Governance-System zählen (MaGo Ziff. 8.2) müssen die Versicherungsunternehmen einen Weg finden, diese Rahmenbedingungen zu kommunizieren und deren Einhaltung zu gewährleisten. Ein Blick in den Bankensektor deckt auf, was auf die Branche zukommt: Risikokultur heißt das Stichwort, das die Aufsicht mit den Geldhäusern mit der MaRisk ins Hausaufgabenheft geschrieben hat. Bei schriftlichen Leitlinien allein dürfte es auch bei den Versicherern kaum bleiben.


 

 

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