Social Media in der Versicherungsbranche – die Zielgruppe kennen und erreichen (Tag 2)

Der zweite Tag der Fachkonferenz „Online-Marketing und Social Media in der Versicherungswirtschaft“ war wieder gespickt mit interessanten Vorträgen aus Wissenschaft und Praxis. Die Themen Blogs, Beschwerdemanagement und Brain-adapted Social-Media-Marketing standen dabei im Fokus der Veranstaltung.

And the Blogstar goes to…

Zu Beginn stellte Prof. Dr. Lutz M. Hagen vom Institut für Kommunikationswissenschaft an der TU Dresden die Ergebnisse einer Auftragsstudie für die 3m5 Media GmbH vor. Deren Ziel war es, Versicherungsblogs auf ihre Qualität zu überprüfen. Hierzu wurden qualitative sowie quantitative Aspekte erhoben. Quantitative Aspekte waren u. a. die Frequenz der Beiträge, der Anteil der Produktwerbung und die Anzahl der Kommentare. Mit Hilfe von Experten wurden die Blogs qualitativ bewertet. Der Blog von Matthias Helberg schnitt dabei in der Kategorie Non-Corporate Blogs, der von der R+V Direkt in der Kategorie Corporate Blogs am besten ab. Eine Veranstaltungsteilnehmerin von der R+V Direkt wies darauf hin, dass ihr Haus trotzdem regelmäßig damit zu kämpfen habe, die Leser zum Dialog zu ermuntern.

 

WP_20170215_09_05_32_Pro

Prof. Dr. Lutz M. Hagen, TU Dresden

 

„Bei öffentlichen Beschwerden reicht es oft nicht aus, nur den Fall zu lösen!“

Im zweiten Beitrag berichtete Uwe Schröder, Leiter des Beschwerde- und Qualitätsmanagements bei der KKH Kaufmännische Krankenkasse, von einer öffentlichen Beschwerde auf Facebook gegen das Unternehmen. Dabei wurde in mehreren Videos eingefordert, dass einer Kundin ein teures Medikament gegen Krebs bezahlt werden solle. Die Videos generierten innerhalb kürzester Zeit eine enorme Reichweite. Nach kurzer Bedenkzeit entschied sich die KKH dazu, das Medikament zu bezahlen. Uwe Schröder betonte, dass dabei nicht nur die Beschwerde, sondern auch Facebook und die Mitarbeitergefühle parallel gemanagt werden mussten. Die Mitarbeiter hätten sich bei der Frage, ob das Medikament bezahlt werden solle in zwei Parteien gespalten. Die Schnelligkeit der Reaktion und die Aufklärung der Mitarbeiter schätzte er am wichtigsten im Umgang mit solchen Beschwerden ein.

 

WP_20170215_09_36_10_Pro

Uwe Schröder, KKH Kaufmännische Krankenkasse

 

Impulse aus der Social-Media-Praxis

In drei Impulsvorträgen wurden anschließend weitere Aspekte der Social-Media-Kommunikation angesprochen.
Tom Wonneberger von PROGRESS Finanzplaner schlug kritische Töne gegenüber dem Social-Media-Hype an. Reichweite generiere man v. a. mit Katzenbildern, die sich aber nicht für jede Branche anbieten. Soziale Medien seien vielmehr als Ergänzung zu traditionellen Medien zu verstehen, ersetzen werden sie ein persönliches Gespräch aber nie. Im weiteren Verlauf seines Vortrages empfahl er noch die kostenlosen Tools blablameter.de, leichtlesbar.ch und duden.de als Hilfe beim Texten.

Anschließend stellte Christian Krause vor, wie die Generali Versicherungen auf Twitter Themen setzt. Twitter wurde als Kommunikationskanal bewusst gewählt, weil dort v. a. digitalaffine Journalisten, Digital Influencer und Early Adopters aktiv sind. Der Pressesprecher der Generali Versicherungen gab als Tipp sechs bis sieben Mal pro Tag zu twittern, um in der Informationsflut der sozialen Medien nicht unterzugehen. Mit dieser Strategie konnten drei neue Produkte der Generali erfolgreich als Themen bei Twitter platziert werden.

Auf Augenhöhe mit einem Augenzwinkern kommunizierte die HanseMerkur bei einem Kooperationsprojekt mit Tele5. Der Versicherer aus Hamburg agierte als Sponsor für die schlechtesten Filme aller Zeiten (SchleFaz). Dabei wurden die Filme an zehn aufeinanderfolgenden Freitagen mittels Cut-ins und via Twitter ironisch kommentiert. Auf Produktlinks wurde bewusst verzichtet. Im Ergebnis konnte die HanseMerkur 20 neue Follower pro Film gewinnen. Das Feedback fiel sehr positiv aus und bestärkte das Unternehmen in seinem Vorhaben, künftig frecher zu kommunizieren.
In der anschließenden Fragerunde bestand Konsens darüber, dass Social-Media-Aktionen nicht nur anhand von harten Zahlen bewertet werden sollten. Auch der Markenaufbau, der sich nicht in Form von Neukunden messen lässt, sei ein Potenzial der sozialen Medien.

 

WP_20170215_12_49_33_Pro

Unsere Experten aus der Praxisrunde Lars Wöhrmann (rechts), Christian Krause (Mitte), Tom Wonneberger (links) und Vincent Wolff-Marting als Moderator

Was das Gehirn über Bedürfnisse verrät

Im letzten Vortrag des Konferenztages lernten wir auf humorvolle Weise durch Dr. Sven Sebastian Interessantes über das menschliche Gehirn. „Finden Sie die Wege zur Lust!“, gab er den Teilnehmern mit auf den Weg. Das Gehirn will ständig beschäftigt, überrascht und unterhalten werden. Um seine Botschaften an den User zu bringen, bleiben einem Unternehmen oft nur wenige Sekunden. Entsprechend wichtig sei es, die Sprache des Kanals zu sprechen, über den man seine Inhalte verbreitet. Eine Herausforderung dabei ist, dem Gehirn etwas Bekanntes zu präsentieren, dies mit etwas Neuem zu verknüpfen und diese Kombination leicht variiert zu wiederholen.

Damit ging die siebte Fachkonferenz „Online-Marketing und Social Media in der Versicherungswirtschaft“ zu Ende. Wir danken den Referenten und Teilnehmern für den spannenden Erfahrungsaustausch und freuen uns auf die Konferenz im nächsten Jahr.

 

WP_20170215_14_03_58_Pro

Dr. Sven Sebastian, Proventika

 

Hier geht es zur Zusammenfassung des ersten Tages.


 

Bloggt zu den Themen: Uncategorized

Hinterlasse eine Antwort