Nachhaltigkeit im Schadenmanagement – Werden die Versicherer „grün“?

Auch Versicherungsunternehmen haben das Thema der Nachhaltigkeit ihrer Geschäftsprozesse und Produkte auf dem Schirm – allerdings erst als Nachzügler, verglichen mit anderen Unternehmen auf dem deutschen Markt. Während umweltbewusste und faire Produktion in der Konsumgüterindustrie  und „grüne“ Banken schon länger Thema sind, versuchen auch die Versicherungen dem Trend und den veränderten Anforderungen ihrer Kunden zu folgen. Auf den ersten Blick fragen wir uns, wie nachhaltig dieser Trend und die Bestrebungen sind. Oder ist es am Ende nur eine Art des Marketings? Bilden Sie sich gern ein Urteil und lassen Sie es uns wissen!

In den deutschen Versicherungshäusern gibt es unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema: Sei es der ressourcenschonende und umweltbewusste Betrieb des eigenen Unternehmens oder die Investition in nachhaltige und umweltbewusste Anlagen, wie es die VAV mit der Altersvorsorge „transparente“ bereits umsetzt.[1],[2] Darüber hinaus leben einige Versicherunshäuser auch weitere „grüne“ Ansätze, wie beispielsweise in der Schadenbearbeitung und Dienstleistersteuerung.

 

Nachhaltigkeit in der Schadenbearbeitung

Die nachhaltige Gestaltung des Schadenmanagements der Versicherungsunternehmen ist ein wenig kommuniziertes Thema. Dabei ist gerade eine umweltverträgliche Regulierung entlang der Schadenwertschöpfungskette eine Möglichkeit des nachhaltigen Wirtschaftens, die so für keine andere Branche zugänglich ist. Versicherungsunternehmen, die in ihren Policen nachhaltige Leistungen anbieten und nachhaltiges Schadenmanagement fördern, geben ihren Kunden aktiv die Möglichkeit, den eigenen Alltag nachhaltiger zu gestalten. Es gibt bereits Versicherungsunternehmen, die in ihren neuen Produkttarifen eine nachhaltige Komponente integriert haben, die sich im Schaden- und Leistungsfall auswirkt:

Die Barmenia bietet unter anderem in der Hausratversicherung im Schadenfall an, auch Mehrkosten zu zahlen, wenn das Ersatzgerät in die höchstverfügbare Effizienzklasse fällt. In der Kfz-Versicherung gibt es einen sog. „C02- Nachlass“ oder Vorteile für Versicherungsnehmer, die wenig fahren.[3] Ähnliche Hausrat- und Kfz-Tarife gibt es auch von der SV Sparkassenversicherung.[4] Die Generali hat im Sommer 2016 einen neuen Krankenversicherungstarif auf den Markt gebracht, in dem  gesundheitsbewusstes Verhalten belohnt werden soll. Die Versicherungsnehmer können bspw. durch den Verzicht auf das Rauchen, das Kaufen gesunder Lebensmittel oder auch sportliche Aktivitäten Punkte sammeln und Prämien erhalten.[5] Greensurance bietet seinen Kunden u.a. eine klimafreundliche Kfz-Versicherung.[6] Anders als andere Versicherungen, die in diesem Abschnitt thematisiert wurden, bietet diese von vorneherein weniger Prämienzahlung für umweltbewusste Fahrer in ihrer Kfz-Versicherung.[7]

 

Nachhaltigkeit in der Schadendienstleistung

Diese Ansätze sind ein wichtiger Schritt in Richtung einer Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Versicherungsunternehmen. Jedoch wird ein Faktor, der erheblichen Einfluss auf das gesamte Schadenmanagement der Versicherungen hat, weitestgehend ignoriert: die eingesetzten Dienstleister. Die Arbeitsmethoden und verwendeten Materialien der Schadendienstleister haben eine direkte Wirkung darauf, wie nachhaltig der gesamte Schadenprozess ist. Genutzt wird dieser Einfluss allerdings nicht, dabei könnte ein nachhaltiges Schadenmanagement, das richtig kommuniziert wird, in der derzeitigen schwierigen Marktlage ein echter Wettbewerbsvorteil für Versicherungsunternehmen sein.

Die Relevanz, die Schadendienstleister für den Schadenprozess der Versicherungsunternehmen haben, ist klar. Die Dienstleister sind im Schadenfall oft der einzige Akteur, mit dem der Versicherungsnehmer persönlichen Kontakt hat. Dies verdeutlicht, dass die Dienstleisterauswahl und –steuerung durch Versicherungsunternehmen erheblichen Einfluss auf die Zufriedenheit des Kunden hat.[8] Des Weiteren können die Dienstleister durch ihre Arbeitsmethoden auch beeinflussen, wie ökologisch, sozialverträglich und nachhaltig der gesamte Schadenprozess eines Versicherungsunternehmens ist.

 

Erst auf den zweiten Blick auch ökologisch nachhaltig

Oft agieren Unternehmen bereits nachhaltig und sehen dies als selbstverständlich an; andere Unternehmen haben die positive Wirkung dieser Außendarstellung schlichtweg noch nicht erkannt. Carglass beispielsweise hat in seinen Arbeitsmethoden den Fokus auf „Reparatur statt Austausch“ gelegt. Auf den ersten Blick liegt der Vorteil hier in der Kostenersparnis. Tatsächlich ist der Austausch aber auch ökologisch nachhaltig, da Material gespart und somit Ressourcen geschont werden.  Ähnliche Ansätze haben auch Wintec Autoglas, junited AUTOGLAS und KS AUTOGLAS. Ein weiteres Beispiel ist die Schadenprävention, welche ebenfalls eine nachhaltige Wirkung in ökologischer wie ökonomischer Form hat. Auch hier kann wieder das Beispiel Carglass genannt werden. Durch die patentierte „Protect Scheibenversiegelung“ des Unternehmens soll bei schlechtem Wetter bessere Sicht garantiert und somit mehr Sicherheit für alle Teilnehmer geschaffen werden – und die Scheibenwischer schont das System auch.[9]

 

Schadendienstleister

Schadendienstleister nach ihrem Ansatz zu nachhaltigem Arbeiten

 

Unternehmen wie das Hagelschaden-Centrum Douteil und CSI Hail Repair Soultions haben sich auf eine ressourcenschonende Hagelschadenbeseitigung spezialisiert. Das Entfernen von Beulen in Kraftfahrzeugen geschieht unter Wahrung der alten Lackierung des Fahrzeuges. Somit wird auf eine umweltbelastende Neulackierung verzichtet.[10],[11] Ein letztes Beispiel, welches ich an dieser Stelle noch nennen möchte, ist die MehrWetter App, die in Zusammenarbeit der öffentlichen Versicherer mit der MeteoGroup entstanden ist und vor drohenden Unwettern und Hagelstürmen warnt.[12]

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass im Bereich der Nachhaltigkeit noch viel Luft nach oben ist. Die Versicherer agieren teilweise bereits wissend und auch unwissend nachhaltig. Bei den meisten Kunden kommt nachhaltiges Handeln gut an. Studienergebnisse der Strategieberatung zeb aus 2016 zeigen, dass sich 85 Prozent der Versicherungskunden im Zweifelsfall für das nachhaltiger agierende Unternehmen entscheiden. Doch kommunizieren weder die Dienstleister, noch die Versicherungsunternehmen selber, dass eine umweltbewusste Regulierung möglich ist und zum Teil schon durchgeführt wird. Zudem verkennen die Versicherer Ihren Einfluss auf den Kunden, denn tatsächlich sind diese in der Position Anreize zu setzen und somit nachhaltiges Handeln zu fördern. Ein Beispiel hierfür ist das Thema e-Autos: In Deutschland ist der Markt für e-Autos und Car-Sharing im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch unausgereift. Von Versicherungen gesetzte Anreize zum Kauf eines umweltschonenderen Autos könnten dem negativen Trend entgegenwirken.

 

Grafik EAuto

Bestandszahlen E-Autos und Hybriden im Ländervergleich 2016[13]

 

 10 Jahre MKS – 10 Wochen Berichterstattung rund um das Thema Schadenmanagemen: Alle Beiträge zum Messekongress »Schadenmanagement & Assistance« finden Sie unter http://www.versicherungsforen.net/mks10.

 

[1] Siehe: VAV (Hrsg.). transparente, abrufbar unter: http://www.vavev.de/transparente.html, letzter Aufruf: 01.11.2016.

[2] Siehe: ERGO (Hrsg.): Effizienz im Alltag – Energie, abrufbar unter: http://www.ergo.com/de/Verantwortung/Umwelt/Ressourcenschutz/Energie, letzter Aufruf: 01.11.2016.

[3] Vgl.: Winterer, Andreas (2015): Nachhaltige Versicherung, die die Welt nicht zerstört, abrufbar unter: https://utopia.de/ratgeber/nachhaltige-versicherung-welt-nicht-zerstoert/, letzter Aufruf: 01.11.2016.

[4] Vgl.: Winterer, Andreas (2015): Nachhaltige Versicherung, die die Welt nicht zerstört, abrufbar unter: https://utopia.de/ratgeber/nachhaltige-versicherung-welt-nicht-zerstoert/, letzter Aufruf: 01.11.2016.

[5] Vgl.: Bocquel (Hrsg.) (2016): Generali: Meilenstein in der Smart-Insurance-Offensive, abrufbar unter: http://www.bocquel-news.de/Generali-Meilenstein-in-Smart-Insurance-Offensive.35985.php, letzter Aufruf: 01.11.2016.

[6] Vgl.: greensurance (Hrsg.), abrufbar unter: http://www.greensurance.de/, letzter Aufruf: 01.11.2016.

[7] Siehe: ver.de (Hrsg.): Unsere Hausratversicherung, abrufbar unter:  http://www.unser-ver.de/unsere-hausratversicherung/die-versicherung.html, letzter Aufruf: 01.11.2016.

[8] Dierks, Ringel (2014): Dienstleistungen gezielt steuern. Versicherungswirtschaft Nr. 3, März 2014, S. 28.

[9] Siehe: Carglass (Hrsg.): Protect, abrufbar unter:  http://www.icarglass.de/protect/

[10]Vgl.: Hagelschaden-Centrum (Hrsg.), abrufbar unter: http://www.hagelschadencentrum.de/l_hagelschaden1.aspx.

[11] Vgl.: CSI HAil Repair Solutions (Hrsg.): Contact, abrufbar unter: http://hrs.getcsi.com/contact/.

[12] GDV Infografiken

[13]https://www.smava.de/info/elektroauto-laendervergleich/infografik/img/slides/retina_bestand.png


 

Bloggt zu den Themen: Schadenmanagement

3 Antworten zu “Nachhaltigkeit im Schadenmanagement – Werden die Versicherer „grün“?”

  1. Smartguy sagt:

    Vielen Dank für den interessanten Artikel! Ich finde es gut, dass heutzutage schon einige Unternehmen umdenken. Natürlich muss da noch viel getan werden, aber es ist zumindest wenigstens schon einmal ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

  2. Hosting sagt:

    Der Insurance Monitor #2 von PwC zeigt gro en Nachholbedarf der Versicherer beim Kfz-Schadenmanagement. Der Monitor geht der Frage nach, wie sich das Schadenmanagement weiter substantiell verbessern l sst, nicht nur zugunsten von Versicherern, auch zugunsten der Kunden.

  3. Hinsichtlich der Nachhaltigkeit der Versicherungsunternehmen im Schadenmanagement ist sicherlich noch viel Luft nach oben. Ich bin der Meinung, dass die Versicherer teilweise bereits wissend (und auch unwissend) nachhaltig agieren, jedoch ihre Maßnahmen häufig unzureichend kommunizieren und somit Wettbewerbschancen verschenken. Kaum ein anderes Thema ist mittlerweile so attraktiv für Kunden, wie der Bereich der Nachhaltigkeit.

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