Smarte Lösungen für die Kfz-Versicherung – Im Interview mit TankTaler

Die Versicherungsbranche kreist bereits seit Jahren um das Thema der Telematik-Angebote. Einige haben auch schon einen ersten Vorstoß gewagt. Nach dem Vorreiter S-Direkt haben mittlerweile auch die großen Anbieter der Branche wie Axa, Allianz, VHV und HUK Telematik-Angebote auf dem Markt. Seit letztem Jahr reiht sich auch die HDI Versicherung mit HDI TankTaler hier ein. Bei HDI TankTaler handelt es sich um eine OBD-Steckerlösung des Unternehmens ThinxNet, welche im Wesentlichen Daten wie den Kilometerstand, Batteriezustand, Tankfüllstand und Standortdaten übermittelt. Darauf aufbauend werden unterschiedliche Features in der TankTaler-App angeboten. Der Fahrzeughalter kann beispielsweise seine Bewegungsdaten tracken und auf einem Parkplatz sein Auto orten. Auf unserer Fachkonferenz „Telematik in der Kraftfahrtversicherung“ am 7./8. Februar. 2017 werden TankTaler und die HDI Versicherung ihre Kooperationslösung im Telematikbereich vorstellen. Für unseren Blog haben wir dem Start-up schon einmal im Voraus auf den Zahn gefühlt. Im Interview mit Hans-Peter Huber, verantwortlich für das Business Development bei TankTaler, haben wir einige Fragen rund um den Fahrzeugstecker beantwortet.

TankTaler_web

Hans-Peter Huber von ThinxNet

 

In einem Artikel vom Juni 2016 habe ich gelesen, dass bereits über 10.000 Kunden mit dem TankTaler-Stecker unterwegs sind. Wie viele sind es heute und wie hat alles angefangen? Also von der Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung.

Zwischen Juni 2016 und Januar 2017 ist bei uns einiges passiert. Wir konnten die TankTaler-Flotte kräftig ausbauen. Unter anderem wurde dazu neben den Hubs München und Köln auch der Hub Stuttgart freigeschaltet. Inzwischen haben wir die größte Fahrzeugflotte in Deutschland mit über 60.000 aktiven Nutzern.

Die Idee zu TankTaler kam im Prinzip in drei Unternehmensschritten: Zunächst fokussierten wir uns auf einen völlig anderen Bereich. Mit Hilfe der technologischen Entwicklung rund um GPS, konnten wir Kühe auf der Alm tracken und beispielsweise auch Prototypen eines Produkts bauen, das Menschen mit Demenzkrankheiten wie Alzheimer mit mehr Sicherheit im Alltag begleitet. Leider zeigte sich keiner dieser Märkte groß genug für ein attraktives Wachstum und die Skalierung unserer Ideen.

Der nächste Schritt war dann die Ortung von Flugzeugschleppern. Jeder Flugzeugtyp benötigt seinen spezifischen Flugzeugschlepper, der das Flugzeug, das selbst nicht rückwärtsfahren kann, aus der Parkposition schiebt. Sind diese Schleppfahrzeuge nicht da wo sie sein sollen, entstehen hohe Wartezeiten und enorme Kosten für die Fluggesellschaften. Mit einem Trackingsystem haben wir die Zuteilung optimiert, sodass der Pushback-Vorgang zur richtigen Zeit mit dem richtigen Fahrzeug stattfinden konnte.

Mit Eintritt und der Vision des Mitgründers Oliver Götz kamen wir dann zum vernetzten Fahrzeug. Allein der deutsche Automobilmarkt mit rund 40 Mio. Fahrzeugen, aber auch die internationale Skalierbarkeit zeigen deutlich das Potenzial dieses Ansatzes. Heute bieten wir eine Lösung bestehend aus App und einem kleinen Stecker, der im Auto eingesteckt wird, an. Verschiedene Services rund um das Auto erleichtern dabei dem Nutzer das Autofahren.

 

Das Konzept von TankTaler erscheint erfolgreicher als das manch anderer Anbieter. Als Gründe hierfür können u. a. der kostenlose Tracking-Service und das umfangreiche Bonusprogramm genannt werden. Wo liegen weitere Vorteile des Steckers?

TankTaler schafft das Connected Car für jeden. Viele Automobilhersteller werben heutzutage mit dem Begriff Smart Car, was aber leider nur auf teure, neue Modelle zutrifft. Und nicht nur das: Die durch die Fahrzeuge gesammelten Daten sind nur für die jeweiligen Hersteller einsehbar. Das ist der Punkt an dem wir angesetzt haben:

1. Alle Autos ab dem Baujahr 2001 werden mit TankTaler intelligent.
2. Wir drehen den Spieß um: Nicht der Hersteller soll die „Macht“ über die Daten haben, sondern der Autofahrer selbst.

Wir sind der Meinung, dass der Fahrer bzw. Fahrzeughalter Eigentümer der Daten seines Fahrzeuges ist und nicht der Hersteller, der ihm das Fahrzeug irgendwann einmal verkauft hat. Nur der Fahrer oder Halter sollte entscheiden dürfen, mit welchen Anbietern er seine Daten teilt. Wir begrüßen jedoch Ansätze diese Daten über z. B. bereits bestehende Mobilfunkverbindungen des Fahrzeugs zu sammeln und dann zentral verschiedenen Dienstanbietern zur Verfügung zu stellen; natürlich nur unter der Voraussetzung, dass der Endnutzer weiterhin die volle Kontrolle über seine Daten besitzt und ein diskriminierungsfreier Zugang zu diesen Schnittstellen existiert. Mit einigen Herstellern sind wir bereits in der Verhandlung bzw. Umsetzung solcher Schnittstellen, um TankTaler-Dienstleistungen noch besser in die Fahrzeuge zu integrieren.

Aus technischer Sicht bietet TankTaler den Vorteil, dass keine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone nötig ist. Die meisten Anbieter solcher OBD-Stecker setzen auf eine Bluetooth-Verbindung zwischen dem Dongle und dem Smartphone und das, obwohl Bluetooth als unsicher gilt. Erst mit einer mehrstufigen Schlüsselvergabe ist eine Übertragung sicher. Weitere Nachteile der Bluetooth-Verbindung sind, dass das Smartphone stets eingeschaltet und in Reichweite sein muss, da der Stecker ohne Verbindung keine Daten übertragen kann. Das kann vor allem beim Einsatz eines automatischen Notrufs problematisch werden, wenn bspw. die Tochter oder der Sohn mit dem Auto der Eltern unterwegs ist.

Im Gegensatz dazu funktioniert unser TankTaler-Stecker absolut unabhängig vom Smartphone. Alle gesammelten Daten werden mittels der eingebauten SIM-Karte gesichert über VPN an unseren Server gesendet. Durch die TankTaler-App kann dann überall und jederzeit auf diese Daten über eine gesicherte Https-Verbindung zurückgegriffen werden. Eine direkte Verbindung zum TankTaler-Stecker ist dabei nicht notwendig. So muss das Smartphone nicht einmal eingeschaltet sein. Alle Daten können dank der Cloud nachträglich sicher übertragen werden.

Zusammengefasst sind wir überzeugt, dass sich aufgrund der Vorteile für den Endkunden auf langer Sicht nur offene, herstellerübergreifende Plattformen wie z. B. TankTaler durchsetzen werden. Der Ansatz als Plattform, die einen Blumenstrauß an Services rund um das Fahrzeug bietet und dabei noch Spaß und Ersparnis bringt, ist ein Grund, warum TankTaler gegenüber anderen Lösungen, die sich nur auf einen spezifischen Bereich wie beispielsweise das Führen eines elektronischen Fahrtenbuchs konzentrieren, erfolgreicher ist.

 

Bei TankTaler bekommt man Geld, muss aber keines zahlen. Klingt traumhaft! Wie finanziert sich eigentlich das Unternehmen?

TankTaler arbeitet mit verschiedenen Partnern zusammen, die das Sponsoring und teilweise auch den Vertrieb der Stecker übernehmen. Auch Tankstellen zählen zu unseren Partnern. Die TankTaler-App ermöglicht an ausgewählten Tankstellen bereits heute das mobile Bezahlen über die App, einige hundert Tankstellen werden deutschlandweit im Jahr 2017 folgen. Zudem werden Kunden an diesen Tankstellen mit Sonderangeboten und Loyalitätsprogrammen Vergünstigungen angeboten. Damit wird auch die Kundentreue gefördert.

Neben Partnerschaften basiert das TankTaler-Geschäftsmodell auf einem Provisionsmodell. In der App werden dem Nutzer auf seine Interessen abgestimmte Kampagnen angeboten. Als Beispiel kann BlaBlaCar genannt werden. Die TankTaler-Nutzer als garantierte Autofahrer passen sehr gut in die Zielgruppe der Mitfahr-App. Bietet ein Kunde durch TankTaler eine Möglichkeit zum Mitfahren an, erhält TankTaler eine Vermittlerprovision.

Ein weiterer Umsatzbereich sind die gesammelten – und natürlich voll anonymisierten – Schwarmdaten. Diese sollen genutzt werden, um das Autofahren effizienter zu machen. Welche Straßen besonderen Bedarf zur Ausbesserung von Schlaglöchern haben, welche Ampeln wann tatsächlich gebraucht werden oder an welchen Stellen Ladesäulen für eCars benötigt werden. Informationen wie diese können aus den TankTaler-Daten gewonnen und Unternehmen als auch Kommunen oder Städten bereitgestellt werden.

 

In der Kritik steht in Zusammenhang mit Telematikdaten oft der Datenschutz. Wenn man auf euren Blog schaut und die regelmäßig erscheinenden TankTaler-Statistiken verfolgt, sieht man, dass ihr eure Kunden sehr gut kennt. Was passiert mit den Daten der TankTaler-Nutzer?

Wir bei TankTaler setzen sehr hohe Ansprüche, wenn es um den Schutz der Daten geht. Aus diesem Grund bieten wir Datenschutz „Made in Germany“. Das heißt, unsere Server stehen in einem Sicherheitszentrum in Deutschland. Die Kommunikation zwischen dem TankTaler-Stecker, dem Smartphone und unseren Servern erfolgt ausschließlich über verschlüsselte Verbindungen (VPN und https).

Persönliche Daten werden genutzt, um TankTaler für das Tanken zu nutzen, um Fahrten gut zu schreiben, gezielte Angebote zu unterbreiten und Statistiken für unsere Nutzer zu erstellen. Niemals aber werden personenbezogene Daten an Dritte weitergegeben. Die Daten bleiben stets anonym. Rückschlüsse auf einzelne Fahrten, Fahrzeuge oder Nutzer können nicht getroffen werden – auch in den veröffentlichten TankTaler-Statistiken.

Für den einzelnen Nutzer können wir zudem einen Mehrwert aus den Daten ableiten, z. B. bezüglich Fahrzeugzustand (Reifen, Batterie), eigenem Fahrverhalten (Sicherheit, E-/BreakDown-Call, ökologische & ökonomische Auswirkungen, digitales Fahrtenbuch) oder Standortdaten (Autos teilen, Fahrgemeinschaften). Wir nutzen GSM, GPS, Cloud und Smartphone-App, um Autos zu digitalisieren und mit dem Internet zu verbinden. Dabei hat der Nutzer Hoheit über seine Daten und profitiert direkt.

Während auf dem Versicherungsmarkt auf Telematik-Tarife und damit der Weitergabe von Daten zum persönlichen Fahrverhalten an die Versicherung gesetzt wird, gelangen personenbezogene Daten mit der Kooperation zwischen TankTaler und HDI nicht an die Versicherung. Die Devise von ThinxNet zum Datenschutz wird auch in der Kooperation mit dem HDI beibehalten.

Die TankTaler-Steckerlösung kommt bei Versicherungskunden genau aus diesem Vorteil – nämlich nicht zum gläsernen Kunden zu werden – gut an. Die Anonymität des Kunden ist immer sichergestellt, egal ob es sich um das Belohnungssystem handelt oder die Notruffunktion. Die Versicherung vergütet eine gute Fahrweise mit extra TankTaler, sieht aber nicht, um welchen Kunden es sich handelt. Während der HDI durch geringere Unfälle und Schäden profitiert, bekommt der Nutzer von TankTaler Feedback zu seinem Fahrverhalten und kann dieses anpassen. Unfälle komplett zu vermeiden wird allerdings auch mit dem Fahrbonus nicht möglich sein. Sollte es bei HDI-Kunden mit TankTaler-App zu einem Unfall kommen, kontaktiert eine Servicezentrale zuvor hinterlegte Kontaktdaten des Nutzers. Das Feature wird jedoch erst auf dessen Wunsch aktiviert. Können angegebene Kontakte nicht erreicht werden, machen sich Rettungskräfte auf den Weg zu dem übermittelten Standort.

 

Sind noch weitere Kooperationen mit Versicherungsunternehmen angedacht? Die SparkassenVersicherung habt ihr auch schon als Kunde gewonnen, gibt es noch weitere Kooperationen mit Versicherungsunternehmen?

Neben dem HDI und der SparkassenVersicherung konnten wir die AXA Versicherung, sowie die Bayerische für TankTaler gewinnen – mit einem ähnlichen Konzept.

 

Kommen die Versicherungsunternehmen mittlerweile schon auf euch zu?

Ja, mit den gewonnen Partnern kennt man TankTaler inzwischen in der Versicherungsbranche und es wird nicht nur über uns gesprochen, sondern auch auf uns zugegangen.

 

Der HDI bietet mit der Notruffunktion und Pannenhilfe bereits zusätzliche Funktionen an. Mit welchen weiteren Funktionen darf man in nächster Zeit noch rechnen?

Neben einem automatischen Notruf bietet die Versicherung bereits, wie oben beschrieben, als zusätzliche Funktion einen Fahrbonus für gute Fahrweise an. Der TankTaler-Nutzer bekommt mit Hilfe des Driving Scores Feedback zu seinem Fahrverhalten. Anreizen für gutes und nachhaltiges Fahren sollen helfen, eine bessere und vorausschauende Fahrweise zu fördern, Unfälle zu verringern und letztendlich die Sicherheit zu erhöhen. Bei Einlegen regelmäßiger Pausen auf langen Fahrten oder auch bei weniger aggressivem Beschleunigen erhalten HDI-Kunden eine Belohnung in Form von TankTalern. Kunden können mit einer guten Fahrweise TankTaler bis zu einem Wert von 30,- € im Jahr sammeln. Ohne einen Telematiktarif zu berechnen, kann die Versicherung vorausschauendes Fahren der Nutzer belohnen und dadurch die Schadenquote verringern.

Eine weitere neue Funktion zusammen mit der SparkassenVersicherung ist das Feinstaub-Feature für alle Stuttgarter: Lässt die Stadt Stuttgart aufgrund der Wetterbedingungen Feinstaubalarm ausrufen, werden die TankTaler-Nutzer belohnt, die ihr Auto auf einem P&R stehen lassen.


 

 

Bloggt zu den Themen: Schadenmanagement

Hinterlasse eine Antwort