Versicherung Digital: Im Interview mit Dr. Christopher Oster vom FinTech-Durchstarter Clark

In einem spannenden Interview stand uns Dr. Christopher Oster von der Clark Germany GmbH Rede und Antwort. Das junge Unternehmen machte erst kürzlich Schlagzeilen, als es in einer der größten Series-A-Finanzierungsrunden für FinTechs in Europa 13,2 Mio. Euro abräumte. Überzeugt hat der Newplayer mit seiner digitalen go-to-Plattform für alle Versicherungsthemen. Dabei verfolgt der digitale Versicherungsmakler das Ziel, durch den Einsatz von Technologie dem Kunden optimalen Versicherungsschutz zum günstigsten Preis anzubieten. Via Webseite und App hat der Kunde all seine Versicherungen auf einen Blick und kann diese darüber optimieren und verwalten. Unterstützt wird der Kunde dabei durch Berater, die nicht auf Provisionsebene arbeiten. Die Berater erhalten ein fixes Gehalt sowie einen Bonus für Kundenzufriedenheit. Auf diese Weise möchte das Start-up unterstreichen, dass hier der Kunde im Fokus steht.

 

Christopher_Oster_CEO_Clark

Bild: Dr. Christopher Oster, CEO Clark Germany GmbH

 

Clark wurde im letzten Jahr als Konkurrenz zu klassischen Versicherungsmaklern gegründet. Was hat sich in Ihrem Unternehmen seitdem verändert?

Wir wachsen mit jedem Monat und verwalten derzeit ein Prämienvolumen von über 50 Millionen Euro. Das Team ist trotz des hohen Kundenwachstums mit 25 Personen klein geblieben. Diese Effizienz zeichnet uns aus. Mit unserem kompakten Team haben wir innerhalb von kürzester Zeit unsere App und unseren Robo-Advisor entwickelt.

 

Im Februar 2016 kritisierte die Deutsche Vermögensberatung mehrere Versicherungsapps, darunter Clark. Hauptsächlich wurde moniert, dass die Kunden nicht informiert werden, dass die App den Platz des Versicherungsmaklers einnimmt und, dass die Betreiber im Namen ihrer Kunden Verträge abschließen und kündigen können. Wie hat Ihr Team darauf reagiert?

Unsere Kündigungsquote ist extrem niedrig. Wir bieten dem Kunden hohe Transparenz über unser Geschäftsmodell, indem wir zum Beispiel während der Registrierung den Kunden darauf hinweisen, dass wir Makler sind. Unsere Kundenzufriedenheit liegt bei über 90 Prozent. Daher können wir in Ruhe im Sinne unserer Kunden weiterarbeiten.

 

Auf den Zug der Digitalisierung im Versicherungsmarkt springen derzeit viele Apps auf. Was hebt Clark von Knip oder GetSafe ab? Oder wer sind Ihre eigentlichen Konkurrenten?

70 Prozent der Versicherungskunden sind mit ihrer Versicherungserfahrung unzufrieden. Wir sind eine Konkurrenz zu Firmen, deren Kunden sich nicht gut beraten fühlen und eine Alternative suchen. Bei Clark wird jeder Kunde individuell beraten und unser Robo-Advisor findet immer den passenden Tarif.

 

Wie ist Clark im Bereich Dunkelverarbeitung im Moment aufgestellt?

Automatisierung ist für Clark extrem wichtig, deshalb erhöhen wir kontinuierlich den Anteil an “Dunkelverarbeitung”. Das bedeutet für uns, Prozesse automatisch durch unser System zu starten und zu verarbeiten, sowie Kontrollmöglichkeiten für unsere Versicherungsexperten bereitzustellen, sodass wir jederzeit wissen wie unser System sich verhält. Bereiche mit einem hohen Automatisierungsgrad sind aktuell: Vergleiche, Bedarfsanalysen, CRM und Bestandsübertragungen.

 

Spielen Blockchains und BiPro in Zukunft eine Rolle?

BiPro ist in jedem Fall eine Inspiration für unsere Schnittstellen. Blockchain, im Sinne einer öffentlichen Datenbank und Schnittstelle zu intelligenten Programmen, könnte in Zukunft interessant werden.

 

Raten Sie traditionellen Versicherern eher zum kooperativen oder zum konfrontativen Umgang mit dem neuen Wettbewerb durch Start-ups? Oder haben Start-ups eine so disruptive Wirkung, dass traditionelle Versicherer ohnehin keine Zukunft haben?

Traditionelle Versicherer kooperieren bereits zunehmend mit Start-Ups und das ist im Sinne des Kunden auch richtig. Wir haben erst vor kurzem unsere betriebliche Altersvorsorge mit der Allianz aufgesetzt und bieten diese nun Start-Ups und Mittelständlern an. Durch Kooperation und offene Gespräche lernen beide Seiten voneinander.

 

Die Innovation Labs der MunichRe und der Versicherungsforen Leipzig zeigen, dass die Versicherungsbranche die Notwendigkeit erkannt hat,  Innovationen zu entwickeln.  Was halten Sie von solchen Innovation Labs?

Wir freuen uns über jeden Marktteilnehmer, der in Digitalisierung investiert. Uns ist es wichtig, dass vor allem der Kunde ein besseres Erlebnis mit Versicherungen erfährt.

 

Wie bewerten Sie die Entwicklung des Venture-Capital-Markts in Europa? Hat Clark davon profitiert?

Der Bereich FinTech ist in den letzten Jahren stark in den Fokus von Investoren gerückt. So wurden allein in den ersten beiden Quartalen 2016 bereits 7,4 Milliarden Dollar an Venture-Capital in FinTechs investiert. Für Clark ist ein günstiges Investitionsklima natürlich hilfreich.

 

Haben Sie bereits Risikokapital eingesammelt?

Ja, wir haben in unserer Series-A 13,2 Millionen Euro Kapital aufgenommen. Dies war eine der höchsten Series-A Runden für ein europäisches FinTech-Unternehmen.

 

Stehen in naher Zukunft weitere Finanzierungsrunden für Clark an?

Derzeit sind wir nicht auf der Suche nach neuen Investoren.

 

Aktuell sprechen Sie vor allem Privatkunden mit Ihrer App an. Können Sie sich vorstellen, in Zukunft auch gewerbliche Risiken zu versichern?

Dieser Bereich ist durchaus interessant, jedoch kurzfristig nicht geplant.

 

Bevor Sie Clark aufgebaut haben, waren Sie schon mit Wimdu erfolgreich. Davor waren Sie bei der Boston Consulting Group tätig. Haben Sie noch mehr innovative Ideen in petto, mit denen Sie die Start-up-Szene in ein paar Jahren bereichern werden?

In den nächsten Jahren werde ich mich auf Clark konzentrieren und mit dieser spannenden Aufgabe sicherlich weiter voll ausgelastet sein.

 

Vielen Dank für das Interview!


 

 

Bloggt zu den Themen: Vertriebsmanagement

Artikel, die Sie auch interessieren könnten:

Hinterlasse eine Antwort