Captives und die Zukunft der Captive Broker

Hohe Versicherungsprämien und der Mangel an Produktalternativen für bestimmte Fälle der Risikoabsicherung treiben insbesondere Konzerne im Industriesektor weg vom klassischen Versicherungsmarkt hin zur Captive Insurance Company. In unserem Oktober-Themendossier sind wir ausführlich auf dieses Thema eingegangen und haben dabei nicht nur die Vor- und Nachteile beleuchtet, sondern auch die Zukunft der Captive Broker, vor dem Hintergrund des vorerst wegfallenden Provisionsabgabeverbotes, diskutiert. Für alle, die unser Themendossier hierzu noch nicht gelesen haben, sich aber für die Thematik interessieren, möchte ich in meinem Blogbeitrag noch einmal die wesentlichen Punkte aufgreifen.

 

Bild: Skyscraper's exterior ©kantver

 

Versicherung Do-it-yourself: Vor- und Nachteile

Wie bereits in meiner Einleitung erwähnt, verursachen steigende Versicherungsprämien und neu entstandene Risiken den Wunsch von vornehmlich Industrieunternehmen nach alternativen Lösungen zur Absicherung. Dabei ist die Lösung in Form eines Captives keinesfalls neu, sondern geht bis in die 1920er-Jahre zurück und erlebte in den 1960er- und 1970er-Jahren ihre Blütezeit. Heute ist der Einsatz von Captives ein anerkanntes und bei international agierenden Unternehmen weit verbreitetes Instrument des betrieblichen Risikomanagements. Ein Indikator dafür ist die Anzahl von Captives weltweit, die von ca. 4.500 Gesellschaften im Jahr 2001 auf etwa 6.000 Gesellschaften im Jahr 2011 angestiegen ist. Nach früheren Schätzungen sollen etwa 60 deutsche Unternehmen – darunter mehr als zwei Drittel der DAX-Unternehmen – Captive-Versicherungsgesellschaften betreiben.

Die primäre Aufgabe einer Captive Insurance Company ist es, Versicherungsschutz für die Risiken der Eigentümer bzw. der Unternehmen der Konzernfamilie anzubieten. Sie soll einerseits eine kosteneffiziente Finanzierung von Frequenzschäden sicherstellen sowie andererseits Versicherungsschutz für bestimmte, auf traditionellen Märkten nicht versicherbare „low-frequency/high-severity“ Risiken ermöglichen. Wesentliche Vorteile eines Captive-Versicherers sind dabei:

  • Reduzierung der Risikokosten und Partizipation am versicherungstechnischen Gewinn bei gutem Schadenverlauf,
  • zentrales und umfassendes Risk-Management,
  • Erzielung von Anlageerträgen auf die Prämien, das vorhandene Kapital und Reserven,
  • Ausweitung des Versicherungsschutzes auf sonst nicht versicherte Risiken oder auf Risiken, die am „klassischen“ Erstversicherungsmarkt als nicht versicherbar gelten und damit geringere Abhängigkeit von den Versicherungsmärkten,
  • Zugang zum internationalen Rückversicherungsmarkt und damit Nutzung eines Instruments der Risikoteilung,
  • Schaffung von Risikotransparenz in der eigenen Unternehmensfamilie,
  • Nähe zum operativen Geschäft der Unternehmung, somit enormes Wissen über das inhärente Risiko des Betriebs, das sich in optimierten Prämienkonditionen widerspiegelt,
  • Stabilisierung der Versicherungskosten,
  • Cash-Flow-Steigerung durch ausgeschüttete Dividenden.

Wo es Vorteile gibt, da lauern auch negative Effekte. Diese gestalten sich im Fall der Captives wie folgt:

  • eigenverantwortliche Risikoeinschätzung bzw. -tragfähigkeit des Unternehmens,
  • Kosten des Risk-Managements,
  • geringerer Marktüberblick,
  • Gefahr der „Schlecht-Risikoselektion“.

 

Die Zukunft des Captive Broker

Wenn das Provisionsabgabeverbot fallen sollte, werden andere Marktteilnehmer, wie z.B. FinTechs, empfangsberechtigt für Courtagen und können sich damit zur Konkurrenz entwickeln. Das Provisionsabgabeverbot war ohne Zweifel eine der Triebfedern bei der Etablierung von Captive Brokern. Sie allerdings allein darauf zu reduzieren, geht an der Entwicklung vorbei, immerhin bieten sie zahlreiche weitere Vorteile, Kenntnisse und Fähigkeiten, insbesondere kennen sie sich im eigenen Unternehmensverbund sehr gut aus. Dies nach einem etwaigen Fall des Provisionsabgabeverbotes durch Externe zu ersetzen bzw. sogar zu verbessern, dürfte extrem schwerfallen. Neue Konkurrenz könnte also entstehen, für einen etablierten Captive Broker mit vernünftigen Kostenstrukturen und spezialisiertem Know-how dürfte das allerdings kein Problem darstellen. Das ist allerdings auch die Voraussetzung!

Dieser Meinung ist auch Christoph Brücher, Geschäftsführender Gesellschafter bei der alleato assekuranzmakler GmbH, welcher uns im Themendossier für ein Interview zur Verfügung stand. Er sieht den Wegfall des Provisionsabgabeverbots gelassen und betrachtet die Entwicklung der FinTechs positiv. Brücher zufolge „…führt sie uns vor Augen, dass in unserer Branche noch sehr viel möglich ist – auch wenn wir das zunächst nicht so wollen. Die Versicherungsbranche ist zum Umdenken gezwungen – und muss mit dieser rasanten Entwicklung „Schritt halten““.


 

Das gesamte Interview sowie eine ausführliche Diskussion zum Thema Captives können Sie in unserem Themendossier nachlesen. Ich wünsche viel Spaß bei der Lektüre! Das Themendossier steht unseren Forenpartner kostenlos zur Verfügung.

 

Bloggt zu den Themen: Risikomanagement

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.