Überall liest und hört man News und Artikel über Insur- bzw. FinTechs und andere Start-ups, die das Ziel verfolgen, eigene innovative Leistungen und Produkte effizient und kundengerecht an den Markt zu bringen. Aber es ist nicht ein Hype, der im Sande verlaufen wird, sondern beschreibt die derzeitige Entwicklung des momentan sehr dynamischen und kompetitiven Marktumfeldes. Denn ein großer Vorteil dieser neuen, teilweise auch branchenfremden Unternehmen ist ihr direkter Kundenzugang sowie ihre hohe Flexibilität und Geschwindigkeit hinsichtlich der Umsetzung und Anpassung der Produkte, die das Marktumfeld verlangt. Zudem beherrschen viele von ihnen sehr gut den Umgang mit (kundenbezogenen) Daten.

Neue Ansätze für Kooperationen

Um gerade auch von diesen Vorteilen zu profitieren, arbeiten schon einige Versicherer mit ihnen zusammen, auch in der Krankenversicherung. Letzte Meldungen im Bereich der Privaten Krankenversicherung (PKV) betrafen die Zusammenarbeit der AXA mit dem Medizintechnologie-Unternehmen Sonormed, das eine Therapie-App für Tinnitus-Patienten entwickelt hat. „Tinnitracks“, so der Name der App, filtert aus der Musikdatenbank der Nutzer die Tinnitus-Frequenz heraus. Betroffene können dadurch ihre Musik wieder genießen. Darüber hinaus hilft das regelmäßige und „gesündere“ Hören, die Symptome nachhaltig zu lindern. An Tinnitus erkrankte AXA-Kunden können die als Medizinprodukt zertifizierte App ab dem 16. Mai kostenfrei nutzen.

Auch heute war den News zu entnehmen, dass die Gothaer Krankenversicherung im Rahmen ihrer E-Health-Offensive nun verstärkt mit Technologieanbietern zusammenarbeiten wird und die Kunden künftig davon profitieren sollen. (Man setzt also genau auf die Vorteile, die diese jungen, „kleinen“ Unternehmen mit sich bringen: neue, innovative Services und der bessere Kundenzugang.)

Start-ups eher Chance als Bedrohung

Grundlegend ist die PKV in Deutschland noch vergleichsweise zurückhaltend, was Kooperationen mit anderen Unternehmen, speziell Start-ups angeht. Aber der Bedarf, ein professionelles Kooperationsmanagement zu etablieren, ist den Krankenversicherern bewusst und die Branche betrachtet den mit diesen (branchenfremden) Unternehmen einhergehenden Veränderungsdruck eher als Chance und nicht als Bedrohung. Zu diesem Ergebnis kamen die Versicherungsforen Leipzig und Adcubum im Rahmen einer kürzlich veröffentlichten gemeinsamen Studie zur „Zukunft der Privaten Krankenversicherung“, für die Experten aus der DACH-Region online befragt oder interviewt wurden.

Bedeutung von Kooperationen

Bedeutung von Kooperationen, Quelle: Studie „Die Zukunft der Privaten Krankenversicherung“, Adcubum / Versicherungsforen Leipzig, 2016

Weiteren Ergebnissen zufolge wird das Kooperationsmanagement künftig eine tragende Rolle in den Häusern einnehmen. Der Krankenversicherer wird gezwungen sein, die Vielzahl an Kooperationen sinnvoll zu steuern und als wichtige Nebenbedingung ständig auf die Einhaltung der Datenschutz- und anderen Compliance-Anforderung zu achten.

Dass dahingehend aber noch viel zu tun ist, wurde ihm Rahmen der Studie auch ersichtlich. Über 70 Prozent der befragten Krankenversicherungsunternehmen sehen noch sehr bis mäßig hohen Handlungsbedarf in diesem Bereich. Insbesondere wurde deutlich, dass die Versicherer ihr Angebot an Assistance-Leistungen ausbauen und eine geeignete Telematik-Infrastruktur bereitstellen wollen, um den gestiegenen Kundenanforderungen gerecht zu werden.

Die bezogen auf ihre Unternehmensgröße oftmals kleinen Kooperationspartner haben insgesamt eine große Wirkung auf den Markt und die Kunden. Um als „großer“ Krankenversicherer den Kundenzugang nicht aus der Hand zu geben, die eigene Innovationsfähigkeit sicherzustellen und am Markt bestehen zu bleiben, ist zu erwarten, dass die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen auch in der PKV stark zunehmen wird. So können selbst die größten Versicherer einiges von den (kleinen) Kooperationspartnern lernen und von ihnen profitieren – ein Gedanke, der auch Goliath hätte in den Sinn kommen sollen.

Die komplette Studie „Die Zukunft der Privaten Krankenversicherung“ ist auf der Website von Adcubum auf Anfrage kostenfrei erhältlich.
www.adcubum.com/aktuell/adcubum-studie


 

Eva Maria Kastner
Eva-Maria Kastner ist seit 2006 bei den Versicherungsforen Leipzig tätig. Im Kompetenzteam »Aktuariat, Produkt- und Risikomanagement« verantwortet sie als Leiterin des Kompetenzfeldes „Rechnungslegung“ die Themen in diesem Fachgebiet. Daneben ist sie fachlicher Ansprechpartner für die User Groups „Rechnungswesen“, „Business Continuity Management“, „Kapitalanlagemanagement“ und „Immobilienmanagement“.