Vergangene Woche lockte das Start-up Camp Berlin unzählige Gründer, innovative Köpfe und bereits erfolgreiche Unternehmer in die Räumlichkeiten der Humboldt-Universität zu Berlin. Mehr als 1000 Teilnehmer trafen sich, um den rund 150 nationalen und internationalen Speakern zu folgen, mit ihnen zu diskutieren und vor Ort zu netzwerken – und ich war mittendrin! Die perfekte Gelegenheit, nicht nur um unsere, teilweise schon befreundeten neuen Player am Markt zu treffen, sondern auch um mit noch unbekannten Akteuren in der Finanzwelt in Kontakt zu kommen. Langfristig wollen wir mit dem »New Players Network« ein Netzwerk in die junge und innovative Startup-Szene aufbauen und darüber den Austausch zwischen der »old economy« und den kreativen Unternehmern intensivieren.

 

Investoren berichten

Die Eröffnung des Start-up Camps bestritt Frank Thelen, bekannt aus der TV Sendung  „Die Höhle der Löwen“. Er gründete bereits selbst unzählige Unternehmen und ist inzwischen als Investor nicht nur bei VOX zu sehen. Vor Ort berichtete er über seine Erfahrungen mit disruptiven Geschäftsmodellen, spielverändernden Technologien und den sich daraus ergebenden völlig neuen Nutzererlebnissen. Nach diesem inspirierenden Start ging es in verschiedenen, parallel stattfindenden Focus Camps weiter. Neben Themen wie „Hardware – Internet of Things“, „Business Creation“ und „Digital Health“ zog es mich natürlich in den „FinTech“ Bereich. Eröffnet wurde das Camp durch einen Beitrag des ehemaligen stellvertretenden Handelsblatt Chefredakteurs, Oliver Stock der live aus Saigon über seinen Berufsausstieg und seinen start-up mit Sentifi berichtete.

 

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Keynote: Carsten Maschmeyer (Geschäftsmann und Investor)

 

Mit dem „main inkubator“ und dem „Digital Accelerator“ der Allianz wurden zwei in Deutschland etablierte Institutionen vorgestellt, die nicht nur gegründete Startups bei der Pilotierung unterstützen sondern ebenfalls innovative Köpfe bereits bei der Entwicklung von Ideen bestmöglich unter die Arme greifen und dadurch den Innovationsprozess beschleunigen. Außerdem stellten sich unzählige  Gründer mit Ihren Geschäftsideen rund um den Zahlungsverkehr der Zukunft vor, wie z.B. Barzahlen.de & OptioPay. Auch die Notwendigkeit der Bank als Institution, ganz unter dem Motto „Banking is necessary, Banks are not“ wurde durch Start-ups wie Blockchain, Lendico und die Solarisbank in Frage gestellt.

 

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Abendveranstaltung in der Humboldt-Universität zu Berlin

 

InsurTechs im Fokus

Nachdem am ersten Tag der Fokus klar auf dem Bankenbereich und den dort gegründeten Start-ups lag, konnte ich den Themenschwerpunkt „InsurTech“ am Samstagvormittag kaum erwarten.

Einführend präsentierten sich „Rentablo“, ein online Finanzverwalter und fairr.de, die die staatlich geförderte Altersvorsorge transparent, kostengünstig und kundenfreundlich gestalten wollen und zu diesem Zweck selbst Produkte, wie ganz aktuell die „fairriester“, auf den Markt bringen.

Julian Teicke von „Financefox – Mein Versicherungsheld erklärte, dass sein Ziel kein geringeres sei, als den globalen Kundenfrust zu beenden. Er kritisierte, dass die Versicherungsbranche ihre Daseinsberechtigung unter anderem durch zunehmende Komplexität erlangt hätte, die in der Vergangenheit zu Preisunterschieden von bis zu 400 Prozent geführt hätte. Weiterhin deutete er die unglaubliche Innovationssubstanz, die diese Industrie mit sich bringt, an und sprach von einer weltweit zu spürenden Dynamik im InsurTech Bereich.

 

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Podiumsdiskussion im Camp »Digital Health« : (v.l.n.r.) Min-Sung Sean Kim (XLHealth), Sebastian Sujka (xbird) Pawel Cebula (Medico.com) Alexander Puschilov (viomedo)

 

Dabei gibt ihm auch eine Studie der CommerzVentures vom März dieses Jahres Recht. Im Vergleich zum Bankensektor und aufgrund der Branchengröße ist man sicher, dass Start-ups im Versicherungsbereich erst ein Zwölftel der möglichen Finanzierungssummen ausgeschöpft haben. Über 70 Prozent der Vorstände der Assekuranz und damit deutlich mehr als in anderen Branchen sind sich der Gefahr die von disruptiven Geschäftsmodellen ausgeht bewusst. Dabei ist für viele Versicherer die Kooperation mit den innovativen Unternehmen wohl der einzige Weg sich langfristig vor der Bedrohung durch Wettbewerber wie Google, Amazon, Facebook und Co. zu wehren.

Es gibt vielfältige Szenarien, wie alte und neue Marktakteure voneinander profitieren können. Mit dem »New Players Network« wollen wir dieser Entwicklung maßgeblich Vorschub leisten und Brücken zwischen den Akteuren bauen. Abschließend bleibt nur zu sagen, dass es eine sehr inspirierende Veranstaltung war die sich ausgezeichnet als Plattform zum Kennenlernen und Netzwerken anbot.


 

Marianne Kühne
Marianne Kühne ist seit November 2015 bei den Versicherungsforen Leipzig als Referentin im Kompetenzteam „Digitalisierung und Innovation“ tätig. Frau Kühne ist Betriebswirtin mit einem Master-Abschluss der Universität Leipzig im Fachbereich „Banken und Versicherungen“. Während ihres Studiums war Frau Kühne im Haus der Victoria Versicherung AG und später der Ergo Versicherung AG in verschiedenen Bereichen tätig. Im Rahmen ihrer Tätigkeit bei den Versicherungsforen Leipzig betreut Marianne Kühne aktuell den Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig, der jährlich veranstaltet wird.