44 Zettabyte an Daten sollen die Menschen 2020 jährlich produzieren. Das entspricht etwa einer Million Fotos bzw. 1.500 HD-Filme pro Kopf. Dabei ist jeder Fahrer einzigartig, was seinen Geschmack für Autos, Musik, Essen oder auch die individuelle Fahrweise anbelangt. Welche Chancen diese riesigen individuellen Datenmengen insbesondere für die (Kfz-)Versicherung bieten, möchte ich in meinem Beitrag zeigen.

 

Bild: Connected car - Voiture connectée - 005 © Mimi Potter - Fotolia

 

Neue Produkte Dank Telematik und Big Data

Schon heute bieten die in breitem Umfang verfügbaren Fahrer- und Fahrzeugdaten die Möglichkeit, eine weitaus persönlichere und fahrzeugbezogene Erfahrung zu schaffen. Software, Datenanalysen und vernetzte Benutzergeräte, die Fahrer- und Fahrzeugdaten zuordnen und analysieren können, ermöglichen bereits eine Reihe verschiedener Dienste. Diese reichen von Pay as you drive (PAYD)-Versicherungen, Unfallbetreuung, Unfallrekonstruktion und Anspruchsverwaltung bis hin zum Versicherungsschutz für ein gestohlenes Fahrzeug. Der Markt für diese Dienstleistungen wächst sehr schnell. Auch Apps (z.B. Octo U), die das Fahrverhalten der Nutzer analysieren und Fahrpunkte vergeben, die sich beispielsweise in Versicherungsrabatte, Treue- oder Benzinpunkte umtauschen lassen, sind heute schon am Markt zu finden. Prognosen gehen davon aus, dass die Telematikindustrie jährlich um 30 bis 40 Prozent wachsen wird und bis zum Jahr 2020 fast 100 Millionen Fahrzeuge weltweit mit telematikbasierten Tarifen versichert sind. Zudem soll bis zum Jahr 2030 die Anzahl von Fahrzeugen weltweit um 50 Prozent steigen, woraus sich steigende Prämieneinnahmen in der Kfz-Versicherung von mehr als 250 Milliarden EUR für die Versicherungswirtschaft ergeben. Doch trotz der immer stärkeren Vernetzung unserer Welt, fällt der Kontakt mit der eigenen Versicherung meist noch zu kurz und zu unregelmäßig aus. Die Möglichkeiten umfangreicher Datenanalysen können jedoch einzigartige Anknüpfungspunkte zum Kunden liefern, etwas dass der Versicherungsmarkt dringend benötigen kann.

Big Data bleibt somit einer der am heißesten diskutierten Bereiche in der IT-Branche. Wie eingangs bereits angedeutet, produzieren Kunden und Mitarbeiter täglich eine Unmenge an strukturierten und unstrukturierten Informationen. Um diese Daten zu aktivieren und bessere Einblicke in die Bedürfnisse und Anforderungen der Anspruchsinhaber zu bekommen, müssen Unternehmen jetzt intelligente Technologien und Analysen nutzen. Der Anstieg der Datenmengen und die Entstehung des Internet of Things (IoT) führen dazu, dass Unternehmen, die intelligente Analysen nur langsam einführen und anwenden, zurück bleiben werden. Unternehmen, die hingegen schnell reagieren, können auch sehr viel schneller qualifizierte Lösungen bereithalten und so Kunden für sich gewinnen.

 

Vernetzte Fahrzeuge sorgen für mehr Sicherheit

Auch das Auto selbst verändert sich in unserer zunehmend vernetzten Welt. Es ist zunehmend in der Lage, mit seiner Umwelt in unserem Interesse zu kommunizieren. Das Auto von heute ist allerdings viel mehr als ein einfaches Smartphone auf Rädern, sondern kann enorme Rechenleistung enthalten. Der vernetzte Automobilmarkt wächst zudem 10 Mal schneller als der Automobilgesamtmarkt. Es wird erwartet, dass bis 2020 90 Prozent der Autos vernetzt sind. Durch die Fähigkeit der Fahrzeuge, sich mit Dienstleistungen, Infrastrukturen, anderen Geräten aber auch untereinander zu verbinden, können sie mehr Entscheidungen für den Fahrer treffen und dessen Fahrerfahrungen verändern. Mögen diese Technologien vielleicht ein wenig beängstigend klingen, haben sie jedoch auch die Macht, Leben zu retten, indem sie die Benutzer, wenn sie am dringendsten Hilfe benötigen – im Schadenfall – mit Notfalldiensten, Straßennotfallbetreuung oder Versicherungen verbinden.

Sicherere Straßen wirken sich nicht nur positiv auf die Fahrer, sondern auch auf die Versicherungsprämien aus. Durch die Nutzung von Big Data zur Erfassung der Fahrerdaten bekommen Versicherer einen besseren Einblick in ihre Kunden und können vielfältigere und bessere Risikovorhersagen machen. Auch die Art und Weise, in der die Versicherungsindustrie Ansprüche bearbeiten kann, wird sich ändern, indem die Analyse von Daten, die den Ort, die Geschwindigkeit und den Eigentumsschaden betreffen, genutzt wird, um Kundenservice und -erfahrung zu verbessern. Für Versicherer und Kunde entsteht eine Win-win-Situation: Der Versicherer profitiert von Vorteilen wie einem verbesserten Kundendienst und Kundenerfahrungen, während dem Kunden Einsparungen ermöglicht werden.

Doch das Erheben von Fahrverhaltensdaten dient nicht nur der Versicherungs- und Automobilindustrie, auch der Fahrer selbst kann davon profitieren. Straßenschilder auf den Autobahnen erinnern uns ständig daran, unsere Geschwindigkeit herabzusetzen. Allerdings werden diese Hinweise oft ignoriert. Auf dem Weg zur Arbeit, zum nächsten Termin oder zur Verabredung mit Freunden oder Familie will man sich möglichst nicht verspäten, egal wie der Verkehr ausfällt oder welche sonstigen Probleme sich ergeben. Geschwindigkeitsüberschreitungen sind häufig die Folge und erhöhen das Unfallrisiko. Kann hier Abhilfe geschaffen werden, indem man seinen eigenen Fahrstil nachverfolgt? Ich denke ja. Telematikdaten können hier leicht ein besseres Verständnis dafür schaffen, wie man lenken oder die Bremse einsetzen muss, um auch dann sicher zu fahren, wenn man spät dran ist, und uns so alle zu besseren Fahrern machen. Erste Lösungen existieren bereits.

 

Die Revolution steht vor der Tür! Wir sind ständig durch unsere mobilen Geräte mit dem Internet verbunden, die bestehende Verbindung ist jedoch nur ein Teil der Lösung. Das Internet der Dinge schafft eine riesige Datenmenge, geprägt von steigenden Volumen, Geschwindigkeit und Vielfalt. Damit einher geht die immense Herausforderung, die Daten nutzbar zu machen, ansonsten gäbe es keine wirklichen Vorteile, dieses Maß an Konnektivität aufrechtzuerhalten. Da diese Technologien auf der Serviceebene ansetzen, müssen die erhobenen Daten relevant, zuverlässig und wiederverwendbar sein, um Entscheidungen und Maßnahmen treffen zu können. Firmen wie Octo Telematics, die diese Eigenschaften verstehen und Strategien entwickeln, um diese Daten zu sammeln und die Informationen auszuwerten, werden somit eine große Rolle an der Spitze des Wandels der Großindustrie „Kfz“ spielen.


 

Luigi Monetta
Luigi Monetta ist Germany Sales Manager bei Octo Germany GmbH. Nach dem Abschluss seines Diplomstudiums an der Universität für Dolmetscher in Neapel begann er 2007 bei Octo Telematics. Dort hat er zur Entwicklung der ersten telematischen Projekte im italienischen Umfeld beigetragen. Später übernahm er als Area Manager die Verantwortung für den ausländischen Markt. Aufgrund seiner mehrjährigen Erfahrung im internationalen Telematik-Umfeld leitet er seit 3 Jahren den Bereich Vertrieb der deutschen Niederlassung des Unternehmens und verantwortet die Regionen Zentral- und Nordeuropa.