Smart Home – Potenziale und Herausforderungen für das Schadengeschäft

Im Fahrzeug von heute sind automatisierte Helfer, die das Fahren komfortabler und vor allem sicherer machen, seit Jahren etabliert und bewährt. Nun halten auch immer mehr technische Systeme und automatisierte Anwendungen Einzug in moderne Wohnräume. Im vernetzten Zuhause der Zukunft sind alle Geräte miteinander verknüpft und lassen sich zentral überwachen und steuern, auch von unterwegs. Neben effizienter Energienutzung und einer Erhöhung der Wohn- und Lebensqualität können diese sogenannten Smart-Home-Systeme einen wesentlichen Beitrag zum Schutz von Hausrat und Wohngebäude leisten. Wie Versicherungen in Bezug auf das Schadengeschäft davon profitieren können, möchte ich in meinem heutigen Beitrag kurz aufzeigen.

 

Smart Home Device - Home Control © AA+W - Fotolia.com

 

Aktuell befindet sich der Markt für technikunterstütztes Wohnen noch in den Kinderschuhen. Studien prophezeien dem Thema allerdings ein enormes Entwicklungspotenzial. Liegt die Marktdurchdringung von Smart Home aktuell bei ca. drei Prozent, so werden es 2030 bereits 30 Prozent sein, so ein Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Auch die Versicherungsbranche kann profitieren, denn es ergeben sich nicht nur neue Möglichkeiten im Schadenbereich, sondern auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Allerdings entstehen auch ganz neue Risiken und komplexe Sachverhalte im Schadenfall.

 

Von Einsparpotenzialen und Serviceoptimierung

Der größte Vorteil von Smart-Home-Systemen für den Versicherer liegt ganz klar in der Reduzierung der Schadenkosten. Allein die verbundene Wohngebäudeversicherung hatte im Jahr 2014 Gesamtkosten in Höhe von 4.341 Mio. € zu verzeichnen. Über die Hälfte dieser Kosten wurden durch Leitungswasserschäden verursacht, gefolgt von Feuerschäden, die mit 880 Mio. € zu Buche schlugen. Intelligente Systeme, die Rauch, Wasser oder sonstige Abweichungen von der Norm frühzeitig registrieren, setzen Notsignale an die Hausbewohner und/oder die angebundenen Assisteure ab und verhindern somit mögliche „Totalschäden“. Auch präventiv können diese Systeme unterstützen und Schäden vermeiden. Die Möglichkeiten, die sich durch technikbegleitetes Wohnen ergeben, sind vielfältig und die potenziellen Einsparungen infolge schneller Reaktion im Schadenfall groß. Gleichzeitig bietet sich dem Versicherer durch Kooperationen und/oder eigen platzierte Smart-Home-Systeme eine neue Schnittstelle zum Kunden und die Möglichkeit, im Schadenfall schnell mit zusätzlichen Leistungen und Services zu glänzen. Haben die Sensoren einen Wasserschaden registriert, kann der angebundene Handwerker gleich mit der Behebung des Schadens beauftragt werden. Auch bei der Ermittlung der Schadenurasche können intelligente Systeme relevante Informationen liefern und sogar potenzielle Betrüger entlarven.

 

Die Kehrseite der Medaille

Die technischen Neuerungen bergen für den Versicherer allerdings nicht nur neue Ansatzpunkte zur Schadenkostenreduktion und Positionierung als Helfer im Alltag, sondern auch ganz neue Herausforderungen an die Schadenregulierung. Auch die intelligentesten Systeme sind anfällig für Schäden, Fehlmeldungen oder gar technische Manipulation bzw. Hackerangriffe. Die Systeme müssen entsprechend versichert sein. Kommt es zu einem Schaden, kann die Ursachensuche und die genaue Schadenschätzung aufwendig sein. Hier bedarf es eines Schadenregulierers mit technischem Verständnis.

Für die Versicherer kommt es jetzt darauf an, Erfahrungswerte zu sammeln – sowohl was die Potenziale als auch die neu aufkommenden Herausforderungen speziell im Schadenbereich betreffen, um sich ihren Platz im Smart-Home-Geschäft zu sichern.


 

 

 

 

Bloggt zu den Themen: Schadenmanagement

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