“Suchmaschinenoptimierung ist heutzutage ein Pflichtinstrument” – Ein Interview mit Patrick Klingberg

Schon mehrfach haben wir uns hier mit dem Thema “Blogging” auseinandergesetzt. Doch spannende Inhalte, hübsche Bilder und interessant geschriebene Texte reichen für einen Blog noch lange nicht aus, denn dieser muss auch gefunden werden. Die Suchmaschinenoptimierung spielt also auch für Blogs eine entscheidende Rolle, um in den Weiten des World Wide Web nicht verloren zu gehen.

Dessen ist sich auch Patrick Klingberg bewusst. Als Dozent für Online Marketing an verschiedenen Bildungseinrichtungen, CEO der artaxo AG sowie Gründer des SEO-Traineeship und des dazugehörigen Portals SEO-Trainee.de unterstützt er u.a. Blogger auf dem Weg, selbst zum SEO-Experten zu werden. Worauf man bei der Optimierung für Google & Co. achten sollte, verrät er uns heute im Interview.

 

Patrick-Klingberg

 

Die Suchmaschinenoptimierung ist sehr (zeit-)aufwändig. Wie überzeugen Sie Ihre Kunden, dass es wichtig ist, bei Google auf Platz 1 zu stehen?

Überzeugungsarbeit für eine Positionierung auf der ersten SERP (Search Engine Result Page) zu leisten ist heute fast nicht mehr notwendig. Wir bekommen sehr häufig konkrete Anfragen von Kunden, die mit ihrer Unternehmenswebsite ganz vorn auf der Google Suchergebnisseite erscheinen möchten. Um dies zu erreichen, definieren wir zunächst konkrete SEO-Ziele mit unseren Kunden. Die Grundlage für eine zielführende Arbeit bildet u.a. die Evaluierung thematisch treffender und transaktionsgetriebener Keywords für die Website unseres Kunden. Ob ein Internet-User z.B. exakt die Suchphrase „braune lederschuhe mit roter gummisohle für familienausflug“ eintippt, ist fraglich. Daher erscheint eine Platzierung an dritter oder vierter Stelle für umkämpfte und transaktionsgetriebene Suchbegriffe häufig sinnvoller, um Traffic und Klicks zu erzielen, die eine tatsächliche Conversion-Wahrscheinlichkeit für das Unternehmen vorweisen. Aufgrund dessen prüfen unsere SEO-Experten im Vorfeld und in Abhängigkeit von der Zielsetzung unserer Kunden, welche Suchbegriffe zu qualitativem Traffic auf der Website führen oder welche Käufe zur Folge haben. Zudem wird eine ausführliche Konkurrenzanalyse in der relevanten Nische unseres Kunden durchgeführt.

 

Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Arbeit?

Die Erfolgsmessung ist immer von den im Vorfeld definierten Zielen abhängig. Wir besprechen Geschäftsziele ausführlich mit unseren Kunden und prüfen, welche KPI-Messungen (Key Performance Indicator) Relevanz für sie besitzen. Kennzahlen, die gemessen werden, sind z.B. organischer Traffic, Keyword-Rankings und Backlinks oder Business Kennzahlen, wie Conversions (bspw. Umsatz- oder Abonnenten-Zahlen). Tools die wir für unsere Erfolgsmessung verwenden sind u.a. SEOlytics und Google Analytics.

 

Was muss man speziell beim Bloggen beachten, damit das Geschriebene weit oben in den Suchmaschinenergebnissen erscheint?

Zunächst ist bedeutend, das Nutzerverhalten in seiner Nische genauestens zu durchleuchten: Was für Interessen hat der User und über welche Keywords gelangt er auf meine Seite? Auf der Basis dieses Wissens sollte ein Blogger seine Beiträge verfassen und mit entsprechenden Keywords anreichern. Hierfür muss er sich über themenrelevante Begriffe und zugehörige Wortkombinationen (Longtail Keywords) informieren. Hervorragende Tools für die Keyword-Analyse sind z.B. Google Trends, Google Insights for Search und der Google-Keyword-Planner. Auch google-fremde Tools, wie ubersuggest.org oder das Keyword-Recherche-Modul von SEOlytics, sind sehr gute Tools für die Keyword-Recherche. Nach Aussage von Google nehmen über 200 Kriterien Einfluss auf das Suchmaschinen-Ranking. Eines dieser Kriterien ist der Textaufbau: Content muss heute ausführlich sowie strukturiert sein und dem User einen deutlichen Mehrwert bieten. Die Gliederung eines Webdokuments hat eine große Bedeutungfür die Onpage-SEO. Eine sinnvolle Dokumentenkontur ist sowohl für den User als auch für die Suchmaschine hilfreich. Mit dünnen SEO-Texten können heutzutage keine guten Rankings mehr erzielt werden. Bei der Content-Erstellung sollte darauf geachtet werden, jeder Seite ein individuelles Keyword-Cluster zuzuordnen (Fokus-Keyword & Synonyme, Akronyme). Das Fokus-Keyword sollte in den wichtigsten Relevanzträgern (bspw. Meta Title und H1-Überschrift) der Seite implementiert sein. Nur so werden klare Relevanzsignale an die Suchmaschine übermittelt. Generell sollten Texte jedoch nicht für die Suchmaschine, sondern für die Leser geschrieben werden.

 

Seit April dieses Jahres bezieht Google in den Rankingalgorithmus mit ein, ob eine Website „mobile friendly“ ist, also auch auf Smartphones oder Tablets gut gelesen werden kann. Wie lange dauert es durchschnittlich, eine Website responsive zu machen? Worauf müssen Unternehmen unter SEO-Gesichtspunkten dabei besonders achten?

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten eine mobile Website zu erstellen. Eine davon ist die eigenständige mobile Website, dessen Webauftritt auf die speziellen Bedürfnisse mobiler Nutzern ausgerichtet ist. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie von mobilen Geräten direkt erkannt und angesteuert wird. Nachteilig ist der hohe Arbeits- und Verwaltungsaufwand, da zwei Unternehmenswebsites, die mobile- sowie die Desktop-Variante, gepflegt werden müssen.
Der von Google empfohlene Weg den Internetauftritt mobil zu optimieren ist das Responsive Webdesign. Hier passt sich das Design automatisch mobilen Endgeräten, wie Tablets, Laptops oder Smartphones an. Ein Vorteil des Responsive Webdesigns ist die erhöhte Benutzerfreundlichkeit und die damit verbundene Rankingsteigerung bei Google. Der anfängliche Programmieraufwand zur Erstellung der responsive Variante ist zwar hoch, jedoch durch den späteren geringen Betreuungsaufwand, aufgrund der Pflege von nur einer Website, lohnenswert. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass sich echte Responsivität nicht nur im Design einer Website wiederspiegelt, sondern neben Text und Grafik auch den situativen Kontext eines Suchenden analysiert. Hierbei spielen z.B. die geografische Position, die Uhrzeit sowie die Software-Verwendung des Users eine bedeutende Rolle.
Eine zusätzliche Leistung für mobile Internetnutzer sind Mobile Applikationen. Sie sollten jedoch kein Ersatz für den mobilen Webauftritt darstellen, da sie kostspielig sind und für die Verwendung vom User gezielt heruntergeladen und vom Webseitenbetreiber gepflegt werden müssen. Trotzdem bieten viele mobile Apps Usern einen deutlichen Mehrwert und sind daher eine sinnvolle Ergänzung für die Internetpräsenz.

 

Sie haben bereits große Unternehmen wie Intel und Axel Springer in Sachen SEO beraten. Gibt es Branchen, für die die Suchmaschinenoptimierung wichtiger ist als für andere?

Suchmaschinenoptimierung ist heutzutage das Pflichtinstrument eines jeden erfolgreichen Marketing-Mixes. Jeder der sich informieren bzw. Dienstleistungen in Anspruch nehmen möchte oder gezielt nach einem Produkt sucht, verwendet heutzutage das Internet. Deshalb ist es für Unternehmen so wichtig die Performance ihrer Internetpräsenz und damit auch ihren nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg zu steigern. Firmen müssen sich eine dauerhaft hohe Reputation verschaffen und sich als Experte innerhalb ihrer Branche etablieren. Nur so werden sie Erfolg haben und der erste Ansprechpartner für interessierte User sein. Grundsätzlich gilt für die SEO-Arbeit in jeder Branche, eine systemübergreifende Findbarkeit anstelle einer alleinigen Google Sichtbarkeit zu schaffen. Beispielsweise erhält die Apple-Software Siri bei der Restaurantsuche eines Users Informationen von „Yelp“, einer Plattform für lokale Geschäftssuche. Wer als Restaurantbesitzer seine Unternehmenswebsite nur für Google optimiert, ist daher für „Yelp“ nicht sichtbar.

 

Google ist nach Nutzungsstatistiken besonders in Europa die Suchmaschine Nummer 1. Ist es trotzdem sinnvoll, Internetangebote auch für andere Suchmaschinen (z.B. Bing oder Yahoo) zu optimieren?

Google hat sich eindeutig den größten Marktanteil gesichert, dennoch ist es nicht verkehrt ein wenig Arbeit in andere Suchmaschinen, wie Bing und Yahoo zu investieren. Besonders international tätige Unternehmen profitieren von der Sichtbarkeit in den beiden Suchmaschinen. In Ländern wie Russland und China, in denen Google nicht Marktführer ist, ist eine Optimierung für andere Suchmaschinen, wie Yandex oder Baidu, durchaus sinnvoll. Generell ähneln die Ranking-Faktoren anderer Suchmaschinen denen Googles. Wer seine Website also für Google optimiert, optimiert sie auch für Bing und Co.

 

Wir freuen uns, dass wir Patrick Klingberg als Workshopgruppenleiter für unseren Workshop „Bloggen in der Assekuranz“ am 12. November 2015 in Frankfurt gewinnen konnten. Dort wird er noch viele Erfahrungen und Tipps zum Thema SEO weitergeben und mit den Teilnehmern diskutieren. Mehr Informationen finden Sie unter www.versicherungsforen.net/ws_blogger


 

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3 Antworten zu ““Suchmaschinenoptimierung ist heutzutage ein Pflichtinstrument” – Ein Interview mit Patrick Klingberg”

  1. […] SEO ist Pflicht für den guten Marketing-Mix – das meint Patrick Klingberg, Gründer des SEO-Traineeship und des dazugehörigen Portals SEO-Trainee.de ist. Besonders wichtig: Das Nutzerverhalten des Kunden genau zu durchleuchten. Nur so könne man verstehen, über welche Keywords er auf die eigene Webseite gelangen würde. Blog Versicherungsforen […]

  2. J. Roder sagt:

    Ich hatte die Möglichkeit, einen Vortrag zu hören – kann ich allen Kollegen nur empfehlen.
    Viele Grüße aus HH
    J. Roder

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