Fahrerlose Autos krempeln das Versicherungsgeschäft um

Erinnern Sie sich an das Lexus 2054-Konzept? Das Auto aus Steven Spielbergs Science-Fiction-Film „Minority Report“ im Jahr 2002 hatte die Fähigkeit, sich selbst zu lenken und in magnetische Schwebebahnen einzuklinken. Außerdem konnte es die DNA des Fahrers erkennen, auf Sprachnachrichten antworten, die Farbe der Karosserieteile wechseln und nach Restaurants suchen. Seit 2014 sind einige dieser Ideen schon Realität. Autohersteller und Technikfirmen bieten nun selbststeuernde und selbstreinigende Autos an, die auf Sprachkommandos reagieren und das Internet nach so ziemlich allem durchsuchen, was der Besitzer verlangt – Restaurantreservierungen inbegriffen.

Was auf die Versicherer in puncto vernetztes Auto in den nächsten Jahren zukommen wird und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben, habe ich für verschiedene Zeithorizonte untersucht. Besonders spannend ist dabei natürlich der Blick in eine Zukunft, in der tatsächlich fahrerlose Autos unser Straßenbild beherrschen, weshalb ich genau dieses Bild in meinem Beitrag etwas näher skizzieren möchte.

 

Bild: Steering wheel © Sergey Nivens - Fotolia

 

Nachdem sich immer mehr Technikfirmen und Automobilhersteller zusammentun, um selbstfahrende Autos zu produzieren, wird die Verbreitung dieser Fahrzeuge nicht mehr lange auf sich warten lassen. Industrie- und Verteidigungssegmente werden sich zuerst mit dieser neuen Generation des Autos auseinandersetzen müssen, gefolgt vom Konsumentensegment. Wenn sich der Anstieg von semi-autonomen und selbstfahrenden Autos bemerkbar macht, erlebt auch die Versicherungswirtschaft eine radikale Transformation: Experten sagen eine Verlagerung der Leistungspflicht vom Fahrer zum Hersteller voraus. Das wird die Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung, wie wir sie heute kennen, nachhaltig verändern.

Die Entwicklung der selbstfahrenden Autos wird außerdem die Entwicklung der dazugehörigen Infrastruktur in Gang setzen – diverse Mechanismen, die eine Fahrzeug-zu-Fahrzeug- und Fahrzeug-zu-X-Kommunikation ermöglichen mit eingeschlossen. Selbstfahrende Autos der Zukunft werden bspw. mit Verkehrskontrollsystemen für die Navigation verbunden sein. Versicherer könnten also damit beginnen, die Absicherung der zusätzlichen selbstfahrenden Autoinfrastruktur anzubieten. Es wird zu einer Verdichtung und Diversifizierung innerhalb der Branche kommen.

Allerdings wird es auch Autofahrer geben, denen das Fahrerlebnis wichtig ist und diese Aufgabe nicht an ein System abgeben wollen. Die Versicherungsprämien für solche manuell gesteuerten Autos könnten jedoch drastisch steigen.

Darüber hinaus könnten fahrerlose Autos die Entwicklung weiterer Zusatzservices wie bspw. dynamische Wechselmöglichkeiten von nutzungsbasierten Tarifen in Abhängigkeit von der Nutzung des manuellen oder automatischen Fahrmodus; neue Produkte, die die Infrastruktur unterstützen, sowie Versicherungen für die digitale Sicherheit nach sich ziehen.

Bei der Entwicklung des Ökosystems werden insbesondere Versicherungsaufsichten eine große Rolle spielen, indem sie festlegen, ob „persönliche“ Versicherung und Produkthaftpflichtdeckung von dem gleichen Versicherungsträger angeboten werden dürfen. Hersteller könnten in dem Maße verpflichtet werden, ihren Kunden Wege zum Versichererwechsel anzubieten, wie Fahrzeuge mit bereits angebündelter Versicherung angeboten werden.

 

Dieses kleine Zukunftsszenario zeigt, dass fahrerlose Autos nicht nur das Potenzial haben, die Rolle der Autos im alltäglichen Leben der Menschen zu revolutionieren, sondern vor allem Herausforderungen aber auch Möglichkeiten für Versicherungsunternehmen bieten. Schon jetzt beginnen Connected Cars die Kfz-Versicherung neu zu definieren. Diese unterstützen bereits nicht nur die Sammlung von Fahrverhaltensdaten der Kunden, um nutzungs- oder verhaltensbasierte Versicherungen anzubieten, sondern ermöglichen auch eine neue Form der Kundenkommunikation und -bindung.

Die Reise der vernetzten Autos mag noch unterschiedliche Wendungen erfahren und die Reife der digitalen Technologien wie Mobilität, Analytik und Big Data, künstliche Intelligenz, Social Media und Cloud werden die Geschwindigkeit der Reise mitbestimmen. Der transformationelle Einfluss des Connected Car lässt sich jedoch nicht mehr leugnen und Versicherer sollten sich schon heute bereit machen, um die Vorteile dieser Entwicklung zukünftig ernten zu können. Das aktive Vorwärtsgehen und Experimentieren, die ehrgeizige Mitgestaltung des Fortschritts und die Arbeit an neuen Kooperationen helfen dabei, nicht an der Seitenlinie stehenzubleiben während das eigene Geschäftsmodell immer mehr ins Wanken gerät, sondern dieses tatkräftig weiterzuentwickeln.


 

Bloggt zu den Themen: Gastartikel, Innovation

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