In der Reportagereihe ZDFzoom wurde Ende Juli eine interessante Dokumentation mit dem Titel „Abkassiert beim Zahnarzt?“ ausgestrahlt. Zahnarztbesuche können schnell richtig teuer werden und daher hofft man als Patient immer, dass die Routineuntersuchung ohne große Befunde vonstattengeht. Die veranschlagten Zahnarztkosten werden von den Patienten in der Regel nicht in Frage gestellt. Die Doku bei ZDFzoom hat jedoch gezeigt, dass genau dies ratsam ist.

Das Dresdner Start-up BodyPol hat aus diesem Transparenzbedarf seine Geschäftsidee entwickelt und ist 2015 mit dem Zahnarzt-Preisvergleich online gegangen. Der Patient kann hier seine Behandlungsdaten eingeben und erhält in kürzester Zeit eine Rückmeldung von Zahnärzten seiner Region, ob der Preis angemessen ist oder erhält direkt ein günstigeres Alternativangebot. Dabei bekommt der Patient nicht nur Klarheit über die Preisunterschiede, sondern kann sich auch über die technischen Standards und Ausstattungen der Praxen informieren. Denn auch diese spielen, je nach Behandlung, eine Rolle. Geschäftsführer und Gründer Tobias Henze erklärt im Interview den Hintergrund seiner Idee und wie Versicherer vom Preisvergleich profitieren können.

 

Gemeinsam mit Ihrem Partner haben Sie 2014 den Grundstein für den Zahnarzt-Preisvergleich gelegt. Wie hat sich die junge Firma seitdem entwickelt?

2014 lag der Fokus vor allem auf der Entwicklung der Plattform. Im Januar 2015 sind wir online gegangen. Seitdem investieren wir in den Technologievorsprung und das Marketing. Gestartet sind wir mit der Idee, einen einfachen Preisvergleich für komplexe Zahnbehandlungen online, anonym, kostenlos und unverbindlich, aber nicht nur regional, sondern deutschlandweit, anzubieten. Der Zahnarzt-Preisvergleich ist ein Service, um Transparenz bei den Kostenvoranschlägen von Zahnärzten zu schaffen. Die Transparenz bezieht sich nicht nur auf den Preis, sondern auch auf Leistungsmerkmale wie Qualifikation, Behandlungsspektrum, Services sowie die technische und räumliche Ausstattung der Praxen. Erst neulich haben wir den Service um einen „Bereitschaftsdienst“ erweitert. Hier erhalten Patienten zu ihrer Behandlungsanfrage unmittelbar nach dem Start eines Preisvergleichs die Expressrückmeldung eines Zahnarztes, ob die Kosten angemessen und ortsüblich sind oder nicht. Die regelmäßige Laufzeit für einen Preisvergleich beträgt eine Woche. In dieser Zeit können die teilnehmenden Praxen den Preis des Kostenvoranschlags bestätigen oder ein Alternativangebot abgeben. Mit dem Bereitschaftsservice bekommt der Patient vorab schon mal ein erstes Gefühl, wo die Reise hingehen kann.

 

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Geschäftsführer Tobias Henze

 

Was sind die Hintergründe, dass ihr einen Preisvergleich etablieren wolltet?

Der Dentalmarkt ist sehr intransparent. Die meisten Patienten denken, dass sich die Kosten kaum unterscheiden – aber weit gefehlt! Insbesondere bei ästhetischen Leistungen, wo Patienten einen beachtlichen Eigenanteil leisten müssen, können die Preisunterschiede gewaltig sein.

Ich kenne sehr viele Zahnärzte und Zahntechniker. Es wird folglich häufig in meinem Bekanntenkreis über die Dentalbranche gesprochen. Oft diskutiertes Thema war hier insbesondere der Preisunterschied bei gleicher Leistung. Hier kam mir die Idee eine Lösung anzubieten, die es Patienten ermöglicht eine mündige Entscheidung zu treffen und das auf einer nachvollziehbaren Entscheidungsgrundlage. Ich habe mir dabei auch vergleichbare Services angeschaut, denn wir sind nicht die ersten, die versuchen hier Transparenz zu schaffen. Die bestehenden Services gehen jedoch meist nicht über einen reinen Preisvergleich hinaus. Unser Service komplettiert die reine Preisangabe um Informationen zu Leistungen und Qualität der behandelnden Praxen. Auch Bilder der Praxis können hier mit eingestellt werden.

Letztendlich haben wir auch das Ziel, durch Transparenz das Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Zahnärzten zu verbessern. Das ist uns wichtiger, als die Maximierung wirtschaftlichen Erfolges. Das zeigt die Möglichkeit, dass Zahnärzte eingestellte Kostenvoranschläge als angemessen kennzeichnen können und Patienten somit auch Bestätigung erhalten, die geplante Therapie beim bisherigen Zahnarzt durchführen zu lassen.

 

Der Preisvergleichsservice richtet sich an Privatkunden, Zahnärzte und Dentallabore. Können Sie bitte kurz erklären, wo hier die einzelnen Vorteile für die jeweilige Zielgruppe liegen?

Auf die Vorteile für die Patienten bin ich teilweise ja schon eingegangen. Diese erhalten innerhalb von sieben Tagen eine Rückmeldung durch andere Praxen, ob der Kostenvoranschlag gerechtfertigt ist oder nicht. Im Falle eines Alternativangebots, erhält der Patient eine Termingarantie von ebenfalls sieben Tagen. Das ist wichtig, denn teilweise handelt es sich um dringenden Behandlungsbedarf. Bei zahnärztlichen Standardbehandlungen, wie Bleaching und professioneller Zahnreinigung, bekommt der Patient eine Expressrückmeldung in Echtzeit.

Bei unserem Preisvergleich erhalten wir einen durchschnittlichen Preisvorteil von ca. 30 %. Bei 38.000 € Behandlungskosten ist das schon mal ein Kleinwagen. Der Preis ist jedoch nicht alles, denn auch Qualifikation, Ausstattung, Services oder Öffnungszeiten spielen bei der Wahl des richtigen Zahnarztes eine wesentliche Rolle und nach diesen kann der Patient filtern.

Die Vorteile für die Zahnärzte gestalten sich natürlich anders. Diese können sich in erster Linie auf unserer Plattform präsentieren und als weiteren Vertriebskanal nutzen. Teilweise sind die Webseiten der Praxen auch nicht auf dem neusten technischen Stand, sodass unsere Plattform auch einen merklich positiven SEO-Effekt hat. Sofern sie am Preisvergleich teilnehmen und Alternativangebote zu Heil- und Kostenplänen abgeben, erhöht sich zudem die Möglichkeit der Neukundengewinnung. Weiterhin haben auch die Zahnärzte die Möglichkeit eines Preisvergleichs. Einen großen Kostenblock bilden bei den Kostenvoranschlägen die Kosten der Dentallabore und auch hier ist Spielraum. Der Dentallabor-Preisvergleich ist eher zufällig entstanden und wird gut angenommen. Ein weiterer Vorteil unserer Plattform gegenüber anderen Plattformen ist die Zeitersparnis. Unsere Technologie ermöglicht eine schnelle und qualifizierte Preisabgabe in wenigen Minuten. Das ist in der Branche noch nicht selbstverständlich.

Die Vorteile der Dentallabore ähneln denen der Zahnarztpraxen und diese sind im Wesentlichen die Präsentationsmöglichkeiten, die Vertriebskanalgenerierung und die Neukundengewinnung.

 

Preisvergleich

Preisvergleich

Wie finden die Daten des Kunden und die relevanten Zahnarztpraxen zusammen?

Patienten finden Zahnärzte auf zwei unterschiedlichen Wegen. Dabei unterscheiden wir, ob der Patient bereits einen Heil- und Kostenplan ausgestellt bekommen hat und akuter Behandlungsbedarf besteht oder nicht.

Patienten ohne akuten Behandlungsbedarf finden Zahnärzte über die Suchfunktion in unserem Zahnarztverzeichnis. Dabei kann nach PLZ, Ort und Arztnamen gefiltert werden.

Patienten mit akutem Behandlungsbedarf finden Zahnärzte, indem sie ihren Heil- und Kostenplan hochladen, per E-Mail, Fax oder Post schicken bzw. am Telefon oder per Online-Formular übermitteln und uns den Umkreis nennen, in dem sie bereit wären zum Zahnarzt zu fahren. Daraufhin erhalten die Ärzte im ausgewählten Umkreis eine Benachrichtigung und geben eine Preiseinschätzung in Form einer Bestätigung oder eines Alternativangebots ab. Den Patienten werden alle Rückmeldungen und Links zu den Arztprofilen vollkommen transparent angezeigt und diese sind ebenso filterbar. Eine Behandlungsanfrage ist sieben Tage online, wenn sie nicht vorzeitig vom Patienten durch Terminvereinbarung mit einem Arzt beendet wird.

 

Und wie kommen die Praxen in eure Datenbank?

Bei der Datenbankenpflege betreiben wir einen hohen Aufwand. Wir haben inzwischen 23.000 Praxen verzeichnet. Deutschlandweit gibt es ca. 60.000 Praxen. Da wir die Infos unserer Datenbank auf einem hohen Qualitätslevel halten wollen, investieren wir viel Arbeit, Informationen wie Ausstattung, Öffnungszeiten etc. zu recherchieren und den Patienten zur Verfügung zu stellen.

Aktive Mitglieder, also Praxen die Alternativangebote abgeben, gewinnen wir durch Marketing. Es gibt ca. 20 Dentalmessen auf denen wir uns blicken lassen, Stammtische sowie diverse Fortbildungsveranstaltungen, wo ich als Referent auftrete. Zudem rufen wir aktiv die Praxen an und stellen uns und unseren Service vor. Aktuell haben wir mehrere hundert aktive Mitglieder seit Beginn 2015 gewinnen können.

 

Inwieweit ist eine Kooperation mit euch für Versicherungsunternehmen relevant?

Einige Versicherer nutzen bereits vergleichbare Services. Diese lassen aber deutlich weniger Transparenz zu als unser Service, denn sie beschränken sich in der Regel nur auf den Preis. Die Versicherung kann bei uns Alternativangebote abfragen oder durch uns gebündelt abfragen lassen. Zudem besteht auch die Möglichkeit, die Kunden aktiv auf einen Vergleichsservice wie unseren aufmerksam zu machen. Der Versicherer tritt an der Stelle als wertvoller Tippgeber in Erscheinung und das steigert natürlich das Image. Zudem gilt auch hier unsere Termingarantie von sieben Tagen, die der Versicherer an den Kunden weiterreichen kann. Die Abfrage kann zudem als eigener Service auf der Webseite des Versicherers integriert werden. Das ist ein zusätzlicher Service, den er seinen Kunden anbietet und somit ein wesentlicher Kundenbindungsfaktor. Und letztendlich spielt natürlich auch die Kostensenkung eine Rolle. Denn die Ersparnis durch ein Alternativangebot kann sich bei Privat- oder Zahnzusatzversicherungen auch positiv auf den Kostenanteil des Versicherers auswirken.

 

Über euren Preisvergleich als Schnittstelle werden zahlreiche Gesundheitsdaten übermittelt. Wie stellt ihr hier den Datenschutz sicher?

Wir legen sehr viel Wert auf Datenschutz und speichern personenbezogene Daten verschlüsselt. Darüber hinaus beachten wir die Grundsätze der Datensparsamkeit und erheben nur die nötigsten Daten, wenn Patienten eine Überprüfung ihres Heil- und Kostenplans wünschen. In diesen Fällen werden befundbezogene Angaben des Heil- und Kostenplans, E-Mail, Altersgruppe, Geschlecht, Ort und Umkreis gespeichert. Sämtliche Behandlungsunterlagen werden vollständig anonymisiert, bevor wir sie den Ärzten im Umkreis zur Verfügung stellen.

 

Euer Service ist für Privatkunden kostenfrei. Wie finanziert ihr euch?

Die Nutzung unserer Plattform ist für alle Patienten kostenfrei. Für Zahnärzte und Dentallabore ist der Zugang zur Plattform, das Terminmanagement und die Außendarstellung ebenfalls kostenfrei.

Allerdings erheben wir ein Nutzungsentgelt in Höhe von 6,9 %, wenn ein Patient das Angebot eines Zahnarztes nutzt, das über unsere Plattform zustande kommt. Das Entgelt kann anteilig auf Zahnarzt und Dentallabor gesplittet werden.

Weiter finanzieren wir uns durch die Vermarktung von Anzeigen auf den Logoutseiten. Durch die bereitwillige Angabe der Zahnärzte und Dentallabore hinsichtlich ihrer Ausstattung zur Außendarstellung wissen wir, welche Ausstattung den Praxen und Laboren fehlt und können diese Informationen zielgerichtet den Dentalherstellern und Distributoren anbieten.

Außerdem erstellen und überarbeiten wir Internetauftritte von Zahnärzten und Dentallaboren zu einem Pauschalpreis.

 

Plant ihr einen vergleichbaren Service auch für andere Bereiche?

Ja, das hatten wir von Anfang an im Hinterkopf und haben die Architektur der Plattform modulartig konzipiert, damit wir aus technologischer Entwicklungssicht schnell und flexibel in neue Märkte eintreten können.

Neben der Expansion in unsere Nachbarländer laufen parallel Vorbereitungen für eine Portfolioerweiterung. Wie unser Name vermuten lässt, widmen wir uns zunächst dem Health-Sektor. Darauf sind wir aber nicht beschränkt. Zu diesem Zweck haben wir schon heute hunderte Domains.

 

Hinweis

Die Interviewreihe „Start-ups in der Versicherungsbranche“ entsteht im Rahmen unseres alljährlich stattfindenden Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig. Wie auch schon im letzten Jahr steht dieser im Zeichen der Innovation. Neben zahlreichen Akteuren der Versicherungsbranche, begrüßen wir zudem einige Start-ups, die den Versicherungsmarkt mit ihren Produkten innovieren wollen. Auf unserem Fachblog für die Assekuranz stellen wir alle zwei Wochen ein neues Start-up vor und werfen dabei einen Blick hinter die Kulissen.

Die Interviews finden Sie in unserer Rubrik „Innovation & Trend“.

 


 

Bärbel Büttner
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.