In Berlin-Friedrichshain durfte ich Anfang Mai zu Gast beim Team des RapidUsertests sein, das sich auf das Thema Usability spezialisiert hat. Am Ende eines unspektakulären Aufgangs erwarteten mich helle und moderne Büroräume über den Dächern Berlins. Gründer und Geschäftsführer Benjamin Uebel nahm mich freundlich in Empfang und beantwortete mir bei einer Tasse Tee einige Fragen.

 

Zu Gast beim Crowd-Testing Anbieter RapidUsertests

Zu Gast beim Crowd-Testing Anbieter RapidUsertests

 

Mein erster Klick, wenn ich mich über ein neues Unternehmen informieren will, gilt dem Punkt „Über uns“. Bei eurer Seite fällt einem gleich die große Zahl an Referenzen ins Auge. Zahlreiche Kunden konntet ihr bereits mit euren Lösungen beglücken. Was steckt hinter eurem Geschäftsmodell und wie setzt sich euer Kundenstamm zusammen?

Mit unserem RapidUsertest unterstützen wir Unternehmen dabei, die Nutzerfreundlichkeit auf ihren Webseiten zu erhöhen. Die Optimierungen sollen dem Kunden das Agieren auf der Webseite und mögliche Buchungen vereinfachen. Letztendlich dienen die Optimierungen der Umsatzsteigerung.

Praktisch sieht das so aus: Wir haben eine Crowd mit über 15.000 Usern, die von zu Hause aus arbeiten. Die Crowd testet in unserem Auftrag Apps, Webseiten und mobile Webseiten. Die Crowd besteht aus verschieden Zielgruppen, mit deren Feedback sich die einzelnen Seiten optimieren lassen.

Viele unserer Kunden kommen aus dem Onlinebereich, aber auch Finanz- und Versicherungsdienstleister zählen dazu.

Wie funktioniert der RapidUsertest genau?

Die Tester besuchen die Webseiten. Ihr Besuch wird mit einem Screenrecorder aufgezeichnet. Zudem denken die Tester bei ihrem Besuch laut. Wir sehen also was die Tester auf der Webseite machen und dabei denken. Über Videos erfassen wir, was den User beim Besuch gestört oder irritiert hat und welche Fragen er sich beim Besuch stellt. Auf diese Weise decken wir die Stolpersteine der Webseiten auf.

Ein Beispiel: Ein Versicherer fragt bei einer Buchung Daten ab, es wird aber nicht ersichtlich wofür diese benötigt werden. Ein Optimierungsvorschlag hier wäre beispielsweise einen Hilfetext anzubieten, der die Verwendung erklärt.

Mit dem RapidUsertest kann man aber auch sehr gut ein Benchmark zur Konkurrenz vornehmen und so sehen, was der Mitbewerber besser oder vielleicht schlechter macht.

Ihr wertet also 15.000 Tests aus?

Nein. In einen Test sind in der Regel zwanzig Tester involviert.

 

RapidUsertests

Ein Blick in die Büroräume des Start-ups

 

Im Bereich Testing, insbesondere A/B-Testing, gibt es auch Mitbewerber wie beispielsweise Optimizely. Was macht ihr anders oder vielleicht sogar besser?

Wir machen kein reines A/B-Testing. Tatsächlich ergänzen Optimizely und der RapidUsertest sich sehr gut. Optimizely vergleicht zwei mögliche Versionen. Der RapidUsertest zeigt hingegen, welche Varianten die besten für einen Vergleich sind. Er ist dem A/B-Test quasi vorgeschalten.

Ihr habt bereits 15 Mitarbeiter und euer Unternehmen wird von zwei Männern und einer Frau geleitet, die unterschiedliches Know-how einbringen und bereits vor eurem Start-Up erfolgreich unterwegs waren und noch sind. Sie sind Psychologe und schreiben auch für Fachmagazine, Dr. Mirko Caspar leitet nebenbei noch das Brillenportal MisterSpex und Birgit Bärnreuther kommt aus der Wissenschaft. Wie habt ihr euch gefunden und wie ergänzt ihr euch?

Als ich wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität Berlin war, haben wir uns kennen gelernt. Birgit war damals studentische Mitarbeiterin. Wir hatten ein Forschungs- und Dienstleisterprojekt zum Thema Usability im Mittelstand. Bei dem Projekt hatten wir bereits herausgefunden, dass der Mittelstand Usability-Tests super findet, aber die damaligen Tests zahlreiche Hürden hatten. Die Tests wurden in Labs durchgeführt und waren somit auch ziemlich kostenintensiv. Außerdem bieten Labs keine gewohnte Umgebung. Mirko Caspar war damals einer unserer ersten Kunden und fand unsere Idee vom Usabilty Testing super. Er hat angeregt eine Firma zu gründen. Im aktiven Geschäft treten aber nur Birgit und ich auf. Letztlich sind wir also ein Spin-Off der Humboldt-Universität.

 

RapidUser-Test

Gründer und Geschäftsführer – Benjamin Uebel und Birgit Bärnreuther

 

Wie lange gibt es euch?

Im August 2011 haben wir RapidUsertests gelaunched und freuen uns inzwischen über 1.600 Kunden.

Eine beeindruckende Entwicklung! Was soll die Zukunft bringen?

Unsere Vision ist, dass es für professionelle Webseitenbetreiber eine Selbstverständlichkeit wird, User-Test durchzuführen. Crowd-User-Tests bieten ein sehr gutes Nutzen-Aufwand-Verhältnis und sind einfach und schnell durchzuführen. Die Barrieren, die es bei früheren Lab-Tests gab, gibt es mit unserem Tool nicht mehr. Wir haben also die Hürden zum Usability-Test gesenkt und das wollen wir in die breite Masse tragen.

 

Hinweis

Die Interviewreihe „Start-ups in der Versicherungsbranche“ entsteht im Rahmen unseres alljährlich stattfindenden Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig. Wie auch schon im letzten Jahr steht dieser im Zeichen der Innovation. Neben zahlreichen Akteuren der Versicherungsbranche, begrüßen wir zudem einige Start-ups, die den Versicherungsmarkt mit ihren Produkten innovieren wollen. Auf unserem Fachblog für die Assekuranz stellen wir alle zwei Wochen ein neues Start-up vor und werfen dabei einen Blick hinter die Kulissen.

Die Interviews finden Sie in unserer Rubrik „Innovation & Trend“.


 

Bärbel Büttner
Bärbel Büttner unterstützt als Referentin für Social Media seit 2013 das Team "Unternehmenskommunikation, Wissensportal und Partnerbetreuung" der Versicherungsforen Leipzig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Entwicklung der Social-Media-Präsenz der Versicherungsforen Leipzig. Dabei ist sie u.a. für die redaktionelle Betreuung des »Fachblogs für die Assekuranz« zuständig.