Wartungsanfällig, teuer, langsam: Die IT-Systeme der Versicherungsbranche sind in die Jahre gekommen. Neue Anforderungen wie schnellere Produkteinführungszyklen oder notwendige Maklerschnittstellen können die eigenentwickelten Oldtimer nicht erfüllen. Eine Alternative bieten Standardlösungen, wie eine PPI-Studie zeigt.

 

Der Wunsch nach etwas Neuem

Mit Standardsoftware der Lösung auf der Spur

 

 

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makro/nahaufnahme laptop/notebook© DWP – Fotolia.com

 

Der Wunsch nach etwas Neuem

Mit den IT-Plattformen der deutschen Versicherer ist es wie mit Oldtimern: Ständig muss man an ihnen rumschrauben, um sie am Laufen zu halten. Die Folge sind hohe Kosten durch Wartung und Weiterentwicklung sowie geringe Effektivität durch die Verwendung veralteter Technologien.

 

Die meisten IT-Plattformen wurden bereits vor 15 bis 20 Jahren entwickelt. Damals undenkbar, heute jedoch Alltag: Kunden melden Schäden über Apps, Makler rufen auf Tablets die aktuellen Tarife ab. Die Informationsmöglichkeiten im Internet führen zu immer schnelleren Produkteinführungszyklen. Auch regulatorische Vorgaben erfordern schnelle Anpassungen. Dass Altsysteme dem nicht gewachsen sind, erkennen auch die Assekuranzen, wie die Studie „IT-Plattformen für den Versicherungsbetrieb“ von PPI zeigt. 75 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Systeme an technische und funktionale Grenzen stoßen. 83 Prozent wünschen sich mehr Flexibilität bei Produktentwicklungen und die Möglichkeit, durch offene Schnittstellen webbasierte Maklerportale anbieten zu können.

Mit Standardsoftware der Lösung auf der Spur

Als Lösung für diese Probleme sehen zwei von drei Versicherern Standardsoftware, die sie individuell konfigurieren können. Auch Lösungen, bei denen bestimmte Teile durch das Setzen von Parametern deaktiviert werden, stoßen bei einem Drittel auf Interesse. 67 Prozent der Versicherer planen den Einsatz einer Standardlösung für den kompletten Versicherungsbetrieb, also Bestand und Schaden gleichermaßen.

 

Können die Hersteller von Standardsoftware die hohen Erwartungen der Versicherungsbranche erfüllen? Die IT-Plattformen-Studie zeigt anhand einer Analyse der 20 bedeutendsten nationalen und internationalen Herstellern: In den meisten Teilen ja, aber im Detail bestehen Unterschiede. Sämtliche Anbieter integrieren eine Self-Service-Funktion für den Versicherungskunden oder planen dies. Auch die Machine-to-Machine-Kommunikation gehört für 85 Prozent zum Standard. 55 Prozent stellen Maklerschnittstellen zur Verfügung. 42 Prozent unterstützen bereits die Integration von Clouds.

 

Vor der Wahl des Anbieters ist eine intensive Marktprüfung nötig. Denn gerade bei der fachlichen Abdeckung in Bestand und Schaden gibt es große Unterschiede. Auch eine passende Kultur des Softwareherstellers ist wichtig. Ausländische Hersteller sollten nicht übersehen werden. Sie haben oft mehr Erfahrung bei der Integration, zudem bieten sie inzwischen landesspezifische Lösungen und deutschsprachige Kundenbetreuer, die von 92 Prozent der Versicherer erwarten werden.

 

Ist die Entscheidung gefallen, beginnt ein mehrjähriger Umstellungsprozess. Schrittweise werden die aktuellen Programme integriert, ohne das ganze System sofort abzulösen. Dabei können Neukunden schon ins neue System eingepflegt werden, während Bestandskunden noch im alten System verbleiben. Empfehlenswert ist eine Komplettumstellung nach Sparten oder Produktgruppen. Die Wartung des Altsystems kann an einen externen Dienstleister übertragen werden, damit sich die eigenen IT-Mitarbeiter mit dem neuen System auseinandersetzen können.


 

Tobias Kohl
Tobias Kohl ist als Partner der PPI AG einer der Hauptprotagonisten des Beratungsangebots zur Digitalisierung der Assekuranz. Auf Basis seiner langjährigen Erfahrung im Zusammenspiel von Versicherungsfachlichkeit und -IT hilft er aktuell verschiedenen Versicherungen, die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Prozess- und IT-Gestaltung zu bewältigen.