Die Auswirkungen des Lebensversicherungsrefomgesetzes und der geplanten Steuergesetzgebungsänderung auf den Zweitmarkt für Lebensversicherungen

Der Gesetzgeber hat in kurzen Abständen zwei unterschiedliche Gesetze verabschiedet, die u. a. Inhaber von Lebensversicherungen betreffen. Die Lebensversicherer stehen nun vor einigen Herausforderungen und müssen auf die neuen Gegebenheiten reagieren, denn die aktuellen regulatorischen Eingriffe sind umfangreich und sorgen auf Kundenseite für Verunsicherung. Auch der Zweitmarkt für Lebensversicherungen steht jetzt auf dem Prüfstand und das Geschäftsmodell wird hinterfragt. Was es mit den neuen Gesetzen auf sich hat und welche Auswirkungen auf den Zweitmarkt zu erwarten sind, möchte ich in meinem Beitrag zeigen.

 

Die geplante Veränderung des § 20 Absatz 1 Nummer 6 EStG und die Auswirkungen auf den deutschen Zweitmarkt

 

Welche Rolle spielt das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG)?

 

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Die geplante Veränderung des § 20 Absatz 1 Nummer 6 EStG und die Auswirkungen auf den Zweitmarkt

Eine Änderung betrifft die Steuergesetzgebung. Sie versteckt sich hinter einer Novelle mit dem zunächst fremd anmutenden Titel „Gesetz zur Anpassung des nationalen Steuerrechts an den Beitritt Kroatiens zur EU und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“. Darin wird – neben der steuerlichen Anpassung des neuen EU-Mitglieds – auch geregelt, dass Auszahlungen bei Eintritt des Versicherungsfalls künftig steuerpflichtig sind.

 

Für den Zweitmarkt in Deutschland ist die Gesetzesanpassung ein alter Hut, deckt diese eine ohnehin sehr schmale Gesetzeslücke ab, da Altpolicen, die vor 2004 abgeschlossen wurden, sowieso im Versicherungsfall steuerschädlich waren. Dass Policen nach 2004 im Versicherungsfall bislang steuerfrei waren, stellte in der Tat eine Gesetzeslücke dar, die nun zu Recht geschlossen wird. Die praktische Relevanz dieser Berichtigung im Steuerrecht für den deutschen Lebensversicherungs-Zweitmarkt ist gleich Null. Dazu sollte man wissen, dass es einen fundamentalen Unterschied zwischen dem US-Amerikanischen und dem deutschen Zweitmarkt für Lebensversicherungen gibt: Während auf dem US-Markt Risikolebens-versicherungen gehandelt werden, bei denen der Investor verdient, je früher die versicherte Person stirbt, ist es auf dem deutschen Zweitmarkt genau andersherum: Je jünger und gesünder die versicherte Person ist, desto besser für den Investor. Auf dem deutschen Zweitmarkt steht nicht der Versicherungsfall („Schadensfall“) im Interesse des Investors, sondern der Erlebensfall. Die deutsche Kapitallebensversicherung sieht bekanntlich Auszahlungen in beiden Fällen vor. Nur die Ablaufleistung mit ihren Schlussüberschüssen, laufenden Überschussbeteiligungen, der Garantieverzinsung und der Beteiligung an den Bewertungsreserven ist für Investoren auf dem deutschen Zweitmarkt von Interesse. Bei weniger als einem Prozent der angekauften Policen tritt letztendlich der Versicherungsfall ein, für den das neue Steuergesetz zur Anwendung kommt. Allein diese Größenordnung lässt daran zweifeln, dass das neue Steuergesetz überhaupt eine Relevanz für den deutschen Zweitmarkt hat.

Welche Rolle spielt das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG)?

Die zweite, weitaus bedeutendere Neuerung, die unlängst im Bundestag verabschiedet wurde, ist das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG). Die Regelung wird in ihrem Kerngedanken – der Neuregelung der Beteiligung an den Bewertungsreserven – ausdrücklich vom Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt für Lebensversicherungen (BVZL) e.V. begrüßt. Kritik übt der BVZL – wie alle anderen Verbände auch – lediglich am Umfang des Gesetzespakets. Man findet die Stellungnahme des Zweitmarktverbandes hier zum Nachlesen auf der Webseite der Bundesregierung. Laut BVZL hätte das Reformgesetz noch um einige Punkte ergänzt werden müssen. Der Gesetzgeber hat die historische Chance vertan, im Sinne der Verbraucher eine gesetzliche Hinweispflicht auf den Zweitmarkt einzuführen, wie sie bereits seit 2001 mit großem Erfolg in Großbritannien angewendet wird. Auch hätte eine Vereinheitlichung der Wertemitteilungen der Versicherer an ihre Kunden sicher einen Beitrag für Transparenz und Kundenfreundlichkeit liefern können. Auch das hat der Gesetzgeber versäumt. Und schließlich hätte es der BVZL bevorzugt, wenn man ausscheidende und verbleibende Versicherungsnehmer bei der Beteiligung an den Bewertungsreserven unterschiedlich behandelt hätte. Stattdessen werden Stornokunden und Bestandskunden in einen Topf geworfen, was nicht gerade im Interesse des Versichertenkollektivs ist.

 

Die Neuregelung der Beteiligung an den Bewertungsreserven macht den Zweitmarkt allerdings noch attraktiver. Künftig werden die Rückkaufswerte der Policen um den Anteil der Bewertungsreserven bereinigt sein. In der Vergangenheit haben diese aufgrund ihrer hohen Volatilität den Ankauf eher erschwert. Diese Hürde fällt nun weg, so dass in Zukunft mit einer steigenden Ankaufswahrscheinlichkeit und mit höheren Kaufpreisen für verkaufswillige Versicherungsnehmer zu rechnen ist.

 

Dass der potentielle Markt groß ist, lässt sich auch an dem immer weiter ansteigenden Stornovolumen messen. In der vergangenen Woche meldete der GDV gar ein Rekord-stornovolumen in Höhe von 14,7 Milliarden Euro. Das Interesse, die Lebensversicherung zu Geld zu machen, wächst also. Nun wachsen auch die Chancen für die Verbraucher, mit dem Verkauf auf dem Zweitmarkt größere Vorteile daraus zu ziehen.


 

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7 Antworten zu “Die Auswirkungen des Lebensversicherungsrefomgesetzes und der geplanten Steuergesetzgebungsänderung auf den Zweitmarkt für Lebensversicherungen”

  1. Jens sagt:

    Ein sehr interessanter Artikel!

  2. Jens sagt:

    Interessant ist auch, dass Kommentare einfach entfernt werden! Wozu dann die Kommentarfunktion?

  3. Nadine sagt:

    Ich dachte immer, dass man auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen einfach seine Lebensversicherung verkaufen kann und dann das Geld bekommt!?

  4. Nadine sagt:

    Oder ist das schon wieder was anderes?

  5. Carsten sagt:

    Ich hab auch noch eine Lebensversicherung. Wären wir in Amerika, hätte ich sie vermutlich schon lang zu Geld gemacht..Es gibt ja eh kaum noch Zinsen, lohnt sich alles nicht mehr, leider

  6. Stefan sagt:

    Hallo Carsten,

    das geht auch hier in Deutschland. Der Markt ist nur noch relativ unbekannt. Generell ist der Verkauf immer günstiger und besser als die Kündigung, schau dazu mal hier: https://www.policendirekt.de/policendirekt/lebensversicherung-verkaufen.html

    In ein paar Jahren wird der Markt noch größer sein, schätze ich! LV’s verlieren eh an Attraktivität

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