Lebensversicherungsreformgesetz – Stabilisierung der Lebensversicherung mit Nebenwirkungen: Ein Interview mit Torsten Karau und Mario Gärtner

Das anhaltende Niedrigzinsniveau hat die Bundesregierung veranlasst, ein Lebensversicherungsreformgesetz auf den Weg zu bringen. Dieses soll noch vor der Sommerpause im Eilverfahren beschlossen werden. Wesentliches Ziel des Gesetzesentwurfes ist der Schutz der Versicherten vor den Folgen des Niedrigzinsumfeldes für die Lebensversicherungsunternehmen. Die Stärkung des Produktes Lebensversicherung ist in Anbetracht dessen ausdrücklich zu begrüßen.

 

Der Bundesrat hat inzwischen ebenfalls Stellung bezogen und plädiert insbesondere für eine Ausweitung der Provisionsoffenlegung, welche alle gewährten geldwerten Vorteile erfasst.
Von der Branche wird die Reform allerdings teilweise kritisch betrachtet. Der GDV beispielsweise begrüßt die Absichten zwar, kritisiert jedoch die Umsetzung. Unter anderem sind die geplante Offenlegung der Provisionen und die Absenkung des Höchstzillmersatzes aus GDV-Sicht kritisch zu beurteilen.
Aufgrund der Tragweite dieses Gesetzesentwurfes für die Branche, möchten auch wir uns mit dem Fachblog für die Assekuranz an der Diskussion beteiligen. In einem Interview standen mir meine Kollegen der Versicherungsforen Leipzig Torsten Karau, Projektreferent im Team „Aktuariat, Finanzen- und Risikomanagement“, sowie Mario Gärtner, Kompetenzfeldleiter Versicherungsvertrieb, Rede und Antwort.

 

(Das Interview fand am 11. Juni 2014 statt.)

Nachtrag zum Videointerview

Da im Interview aus Zeitgründen nicht auf alle Punkte des Reformgesetzes eingegangen werden konnte, soll im Nachgang und der Vollständigkeit halber eine Einschätzung zu weiteren Punkten genommen werden:

 

Absenkung des Garantiezinses von 1,75 % auf 1,25% nachvollziehbar
Die Absenkung des Garantiezinses ist nachvollziehbar, insbesondere in Anbetracht des aktuellen Durchschnittswertes aller Triple A Staatsanleihen, welcher unterhalb des Garantiezinses liegt. Die kurzfristige Garantiezinssenkung in 2015 ist jedoch kritisch zu bewerten, da den Versicherern eine Anpassung abverlangt wird, die u. a. mit der Solvency ll-Umstellung korreliert. Eine Garantiezinsabsenkung ab 2016 erscheint daher als die logischere Alternative.

 

Ausschüttungssperre schwächt die Versicherungswirtschaft
Aus Verbrauchersicht ist die Ausschüttungssperre sicherlich von Vorteil, da so die Interessen der Versicherungsnehmer vor denen der Aktionäre bedient werden. Dies hat jedoch einen negativen Einfluss auf die Aktionäre von Lebensversicherungsunternehmen, da Unsicherheit und niedrige Renditen signalisiert werden. Eine Kapitalerhöhung durch die Unternehmen wird somit erschwert und wirkt der unter Solvency ll möglicherweise notwendigen Eigenkapitalerhöhung entgegen.

 

Senkung des Höchstzillmersatzes von 40 Promille auf 25 Promille
Mit der Senkung des Höchstzillmersatzes soll in erster Linie eine Senkung der Abschlussprovision provoziert werden. Diese Maßnahme erscheint in Anbetracht des niedrigeren Garantiezinses logisch. Damit der Kunde jedoch bei niedrigerem Garantiezins ein vergleichbares Sparniveau erhält, muss er faktisch mehr einzahlen, was wiederum zu einer höheren Provision führen würde. Hierbei werden jedoch einige Gegebenheiten vernachlässigt:

  1. Der Kunde orientieren sich nicht so stark an der Ablaufsumme, sondern daran, auf wie viel er monatlich „verzichten“ kann. Er investiert damit in der Regel weiterhin denselben monatlichen Beitrag.
  2. Studien (unter anderem die Untersuchung Vermittler-PISA der Versicherungsforen Leipzig und der Fachhochschule Dortmund) haben gezeigt, dass ein Großteil der Vermittlerschaft Geringverdiener ist und das, obwohl der Höchstzillmersatz bereits jetzt teilweise geringer ist, als die Vermittlerprovision.
  3. Die Vermittler sind angehalten, in ihre Aus- und Weiterbildung zu investieren. Bei einer Steigerung der Beraterqualität und gleichzeitig geringerer Entlohnung entsteht jedoch ein Zielkonflikt.

 

Lesenswert: Das Bundesministerium für Finanzen hat FAQ`s zum Lebensversicherungsreformgesetz.


 

Bloggt zu den Themen: Aktuariat

Hinterlasse eine Antwort