Als Folge der gefallenen Zinsen empfiehlt die Deutsche Aktuarvereinigung, den Garantiezins für Lebensversicherungen ab dem 1. Januar 2015 auf 1,25 % herabzusetzen. Das Ziel der Versicherungsunternehmen, dem Kunden einerseits wettbewerbsfähige Produkte anzubieten, andererseits selbst erfolgreich zu wirtschaften, ist mit dem Angebot reiner klassischer Produkte kaum noch zu erreichen. Nicht verwunderlich ist es daher, dass in den Produktschmieden der Versicherer die Köpfe rauchen. Dabei reichen die Lösungen vom Einstellen bis zum Fortführen des Verkaufs klassischer Produkte. Dazwischen tummeln sich allerdings jede Menge Ideen. Manche konzentrieren sich eher auf das biometrische Geschäft, um mit Risikogewinnen die Verluste bei den Zinsgewinnen wettzumachen. Alternativ bieten rein fondsgebundene Lösungen die Möglichkeit, das Kapitalmarktrisiko komplett an den Versicherungsnehmer auszulagern. Diese Produkte allein werden jedoch das Marktpotential bzw. die Versorgungslücke im Bereich Altersvorsorge nicht ausfüllen können. Der Trend geht daher hin zu Fondsprodukten mit Garantien oder alternativen klassischen Produkten mit anderen Garantiemechanismen. Vorgemacht haben das im letzten Jahr die Allianz und Ergo.

 

Rückbesinnung auf Grundbedürfnisse

Transparent und klassisch – Ein Blick nach Dänemark

Rückbesinnung auf Grundbedürfnisse

Neben all den Lösungsansätzen rund um die Produktentwicklung sollten sich Versicherer auch mit einer anderen Kommunikation des Versicherungsnutzens befassen. Dieser liegt nämlich im Wesentlichen nicht in einer höchstmöglichen Verzinsung des Guthabens begründet. Ein Kunde, der versteht, dass er sich gegen ein bestimmtes Risiko versichert, indem der Versicherer ihm eine lebenslange Rentenzahlung garantiert – und das auch wenn der Kunde 120 Jahre alt werden sollte – stört sich vielleicht auch weniger an einem niedrigen Garantiezins. Flexibilität in den Produkten und die Möglichkeit zur Anpassung an individuelle Bedürfnisse sind vielen Kunden sicherlich wichtiger als die Höhe des Garantiezinses. Unabhängig davon ist es natürlich wichtig, die wesentlichen Grundbedürfnisse des Kunden hinsichtlich Flexibilität, Sicherheit und Rendite bei der Produktentwicklung und Kommunikation mit zu berücksichtigen.

Transparent und klassisch – Ein Blick nach Dänemark

Die Stoßrichtung der Neuentwicklungen ist eindeutig. Diese setzen verstärkt auf die Transparenz des Garantiemodells bei gleichzeitiger Reduktion des Risikos für das Versicherungsunternehmen. Eine alternative Möglichkeit, die in Deutschland bisher (noch) nicht diskutiert wird, ist auf dem dänischen Markt zu finden. Hier bietet ein Lebensversicherer seit 2002 ein Lebensversicherungsprodukt an, bei dem der Garantieerzeugungsmechanismus dem Kunden sehr transparent gemacht wird. Auch dieses Produkt orientiert sich stark an der klassischen Lebensversicherung, bietet aber wesentliche Vorteile, sowohl auf Seiten der Versicherer als auch der Versicherungsnehmer. Bei dem dänischen Produkt handelt es sich im Prinzip um eine fondsgebundene Rentenversicherung, bei der das Vertragsguthaben für jeden Kunden individuell in zwei Töpfe unterteilt wird: einen „Versicherungsnehmer-Topf“ und einen „Glättungs-Topf“. Der Topf des Versicherungsnehmers wird monatlich mit der durchschnittlichen Rendite dänischer Staatsanleihen verzinst. Der Garantiezins ist also variabel, orientiert sich aber an einem für den Kunden transparenten und nicht in der Macht des Versicherungsunternehmens liegenden Maßstab. Aus dem Topf zur Glättung der Erträge wird monatlich ein festgelegter Prozentsatz an den Topf des Versicherungsnehmers umgeschichtet. Dies bildet quasi die Überschussbeteiligung der klassischen Lebensversicherung, die für den Kunden transparent und von Beginn des Vertrages an festgelegt ist. Der Wert des Glättungstopfes orientiert sich hierbei an einem zugrunde liegenden Anlageportfolio, welches gegenüber dem Deckungsstock klassischer Versicherungen einen signifikant höheren Aktienanteil (bis zu 50 Prozent) und somit höhere Ertragschancen besitzt. Die Höhe der monatlichen Rentenzahlung nach Rentenübergang orientiert sich dann an dem Wert des Topfes des Versicherungsnehmers.

 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass auch in Deutschland eine Evolution der Garantiemodelle und Produkte zu beobachten ist, die jeweils spezifische Kundengruppen ansprechen und unterschiedlich erfolgreich am Markt platziert werden konnten. Viele dieser neuen Modelle orientieren sich an dem Mechanismus der klassischen Lebensversicherung oder bedienen sich zumindest bei diesem. Dabei spielen die Transparenz und die Vermittlung des eigentlichen Versicherungsnutzens eine wesentliche Rolle bei der Produktgestaltung.

 

Welche weiteren Herausforderungen sehen Sie bei der Produktgestaltung im Niedrigszinsumfeld? Kennen Sie vielleicht weitere interessante Lösungsansätze aus dem Ausland?

 

Hinweis: Einen ausführlicheren Beitrag hierzu finden Sie in unserem Themendossierarchiv.


Karin Van de Put
Karin Van de Put ist seit März 2012 als Leiterin für das Kompetenzfeld »Personenversicherungen« tätig. Als Aktuarin ist sie für die Themenentwicklung in den Bereichen Produktentwicklung, Transparenz und aktuarielle Analysen verantwortlich und unterstützt Unternehmen aus der Versicherungswirtschaft bei der Durchführung von themenbezogenen Projekten. Weiterhin ist sie fachlicher Ansprechpartner für die User Groups »Betriebliche Altersversorgung« und »Strategische Handlungsoptionen in der Unfallversicherung«. Darüber hinaus engagiert sie sich im Rahmen eines Lehrauftrags im Bereich »angewandte Aktuarwissenschaften« (Lebens- und Kompositversicherung) an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart.