Die Kfz-Versicherung ist wohl mit Abstand die größte Sparte in der deutschen Assekuranz und nach wie vor durch eine starke Wettbewerbssituation geprägt. Nach intensivem Preiskampf und einer verlustreichen Zeit ab 2004 erlebt die Kfz-Sparte nun seit 2010, u.a. begründet durch die Erhöhung der Prämien, eine erneute Trendwende, die laut Expertenmeinung mittelfristig wieder zu einer Regenerierung führen wird. Um am Markt auch weiterhin bestehen zu können, müssen die Versicherer Trends erkennen und den Mut zur Innovation zeigen. Im nachfolgenden Beitrag wird umrissen, wo einzelne Ansatzpunkte zu finden sind.

 

Die Kunst, den Kunden zu lesen

Neue Technologien beeinflussen die Kfz-Versicherungsbranche

Beratung ist immer noch das „A und O“

Die Kunst, den Kunden zu lesen

Geprägt durch gesellschaftliche und technologische Entwicklungen werden die Versicherungskunden immer anspruchsvoller. Studien belegen, dass Kunden heute nicht mehr ausschließlich preisorientiert handeln. Im Gegenteil: Die „Schnäppchenjäger“ machen sogar den kleinsten Anteil der gesamten Kundenschaft aus, was die beschriebene Trendwende positiv beeinflussen dürfte. Um den Kundenanforderungen gerecht zu werden, muss die Branche aktiv an innovativen Konzepten arbeiten. Ein neues multi-mobiles Zeitalter liegt vor uns, das einerseits durch einen wachsenden Mobilitätsbedarf, andererseits durch die Vielfalt der Mobilitätsformen geprägt ist. Auch neue Risiken müssen identifiziert werden, zu denen zum Teil noch keine Erfahrungswerte existieren. Größtmögliche Flexibilität und individuelle Bausteinlösungen sind ebensolche Aspekte, die der Kunde verlangt und auf die der Versicherer eingehen sollte.

Neue Technologien beeinflussen die Kfz-Versicherungsbranche

Weniger durch den Kunden getrieben und vielmehr durch technische Innovationen geprägt (z.B. moderne Kommunikationstechnologien und die zunehmende Vernetzung der Fahrzeuge), gewinnen telematische Dienste an Bedeutung. Die deutschen Versicherer zeigen sich jedoch gern zögerlich bei der Umsetzung neuer Konzepte. Ein Beispiel hierfür ist die Telematik. Während im internationalen Vergleich vor allem die USA, Italien, Spanien und Großbritannien bereits erfolgreich telematische Versicherungslösungen anbieten, ist die deutsche Assekuranz noch zurückhaltend. Doch spätestens durch die verpflichtende Einführung des eCall, geplant für 2015, werden die Entwicklungsdynamik innerhalb der Fahrzeug-Telematik und die Implikationen für die Kfz-Versicherung neue Dimensionen annehmen. Also warum nicht heute schon darauf reagieren, Erfahrungswerte sammeln und ab dem Obligo Vorteile generieren? Versicherern, denen es gelingt, den Versicherungsschutz für den Kunden erlebbar zu machen, Flexibilität ermöglichen und bspw. mittels individueller Ausschnittsdeckungskonzepte attraktive Lösungen anzubieten, werden sich in diesem Segment langfristig behaupten können. Hier ist Mut zu Innovationen gefragt!

Beratung ist immer noch das „A und O“

Mittlerweile informieren sich immer mehr Kunden im Internet bzw. auf verschiedenen Vergleichsportalen über relevante Versicherungslösungen. Dies ersetzt allerdings nicht die individuelle und persönliche Beratung – für Versicherer eine Chance, sich durch eine hohe Beratungsqualität von der Konkurrenz abzusetzen und die Kunden an sich zu binden. Studien, die belegen, dass Kunden nicht allein nach Preisen entscheiden, belegen auch, dass die Gruppe der überforderten und beratungssuchenden Kunden stetig wächst. Der Wunsch nach echter Beratungsqualität mit versicherungsspezifischem Know-how ist ungebrochen groß. Darin spielgelt sich auch der Mehrwert wider, den die Versicherer gegenüber anderen digitalen Mitbewerbern haben: individuelle, bedarfsgerechte, verständliche und transparente Beratung. Das Produktmanagement hat demnach die Aufgabe, alle Schnittstellen mit entsprechenden Informationen zu versorgen, damit diese Beratungsqualität aufrechterhalten werden kann.

 

Inwiefern muss sich das „traditionelle“ Produktmanagement verändern, um den Kundenanforderungen gerecht zu werden? Und welche Trends erwarten Sie in der Kfz-Versicherung?

 

Hinweis: Einen ausführlicheren Beitrag hierzu finden Sie in unserem Themendossierarchiv.


Regina Rudolph
Regina Rudolph verantwortet bei den Versicherungsforen Leipzig das Kompetenzfeld »Produktmanagement in der Versicherungswirtschaft«. Ihr Fokus liegt insbesondere auf aktuellen und brisanten Themen der Kompositversicherung. Sie ist Ansprechpartnerin für alle Fragen im Bereich des strategischen und operativen Produktmanagements, angefangen bei der Produktentwicklung und -gestaltung bis hin zur Produktbewertung und -analyse. Im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsprojekten konnte sie ihre Kompetenzen bereits in zahlreichen verschiedenen Unternehmen der Assekuranz einbringen. Darüber hinaus zählen die Themen Immobilienmanagement und Human Resources zu ihren fachlichen Schwerpunkten.