Fahrerassistenzsysteme sind aus den heutigen Kraftfahrzeugen gar nicht mehr wegzudenken. Die elektronischen Zusatzeinrichtungen erleichtern dem Fahrer nicht nur das Fahren, sie unterstützen ihn aktiv und optimieren seine Fahrerfertigkeiten. Neben mehr Komfort ist das primäre Ziel dieser unsichtbaren Helfer die Erhöhung der Sicherheit für alle Beteiligten im Straßenverkehr. Mehr Sicherheit bedeutet weniger Risiko und könnte für zukünftige Versicherungstarife eine wesentliche Rolle spielen.

 

Nützliche Helfer in Zahlen

Fahrerassistenzsysteme – was spricht für eine Berücksichtigung bei der Prämiengestaltung?

Fahrerassistenzsysteme – was spricht gegen eine Berücksichtigung bei der Prämiengestaltung?

Was bringt die Zukunft?

Nützliche Helfer in Zahlen

Fahrerassistenzsysteme leisten einen nachweisbaren Beitrag zur Vermeidung bzw. Schadenminderung von Unfällen. Statistiken und Angaben des ADAC zufolge gehen etwa 90 Prozent aller Autounfälle auf menschliches Fehlverhalten zurück, da Gefahren nicht erkannt oder falsch eingeschätzt werden. Systeme wie der Notbremsassistent können die Zahl der Auffahrunfälle um bis zu 28 Prozent reduzieren, Abstandsregler verringern Unfälle um bis zu 17 Prozent und Spurwechselassistenten führen bei ca. 26 Prozent der Nutzer zu weniger Unfällen. Insgesamt können Fahrerassistenzsysteme aktuell dazu beitragen, die Zahl der schweren Unfälle um fast 50 Prozent zu senken.

Fahrerassistenzsysteme – was spricht für eine Berücksichtigung bei der Prämiengestaltung?

Viel diskutiert wird in Anbetracht der Risikoreduzierung durch Fahrerassistenzsysteme die Auswirkung auf die KFZ-Versicherung, insbesondere auf die Prämie und das Schadenaufkommen. Weniger Unfälle bedeuten weniger Risiko und geringere Prämien. Theoretisch, denn in der Praxis findet der zusätzliche Einbau von Fahrerassistenzsystemen bislang nur bei einigen Fahrzeugherstellern, die eigene Versicherungsprodukte anbieten, Berücksichtigung in der Prämiengestaltung.

 

Bei den originären Autoversicherern hat der zusätzliche Einbau von Assistenzsystemen hierauf bislang keine Auswirkung. Lediglich serienmäßig verbaute Unterstützungssysteme finden über den Einbezug der Typenklasse in der Tarifierung Berücksichtigung. Dabei wäre ein Prämienrabatt aufgrund zusätzlich verbauter Assistenzsysteme ein möglicher Wettbewerbsvorteil mit dem sicherheitsbewusste Neukunden gewonnen werden können. Wenn Fahrzeuge, die mit modernen Fahrerassistenzsystemen ausgestattet sind, weniger Unfälle produzieren, kann sich das auch positiv auf das Schadenaufkommen auswirken.

Fahrerassistenzsysteme – was spricht gegen eine Berücksichtigung bei der Prämiengestaltung?

Bei den genannten Vorteilen stellt sich die Frage, warum die Versicherer noch so zögerlich bei der Einführung entsprechender Tarife sind. Bei einem „Für“ gibt es auch ein „Wider“ und das ist in dem Fall nicht unwesentlich: Die Überprüfung der vom Versicherungsnehmer gemachten Angaben zu den zusätzlichen Systemen kann sich als schwierig erweisen. Darüber hinaus besteht das Risiko, dass prämienschmälernde Fahrerassistenzsysteme zwischenzeitlich defekt sind und im Ernstfall versagen. Weiterhin bedeuten weniger Unfälle bei Fahrzeugen mit Fahrerassistenzsystemen nicht unbedingt auch ein geringeres Schadenaufkommen. Die zumeist empfindliche Sensortechnik und die aufwendig verbaute Elektronik der Fahrerassistenzsysteme können schon bei kleinen Bagatellschäden mit hohen Reparaturkosten verbunden sein.

Was bringt die Zukunft?

Das Innovationstempo auf dem Gebiet der Fahrerassistenzsysteme ist enorm und verlagert sich zunehmend in Richtung teilautonomes Fahren. Die ersten vollständig autonomen Fahrzeuge sind bereits Realität. Seit 2010 testet der Internet-Riese Google ein vollständig autonom fahrendes Fahrzeug. Seit 2012 sind diese so genannten Google-Cars in Nevada, Florida und Kalifornien gesetzlich für den Straßenverkehr zugelassen, vorausgesetzt der „Fahrer“ besitzt einen gültigen Führerschein. Auch deutsche Premium-Fahrzeughersteller entwickeln bereits derartige Systeme. Technisch sind

autonome Fahrzeuge auch auf dem deutschen Markt bereits heute realisierbar. Für eine Zulassung im Straßenverkehr fehlt hierzulande jedoch noch die rechtliche Grundlage.

 

Fahrerassistenzsysteme sind kleine Helfer mit großer Wirkung. Wie umfangreich werden sich die Vorteile dieser Helfer bei der Prämiengestaltung auswirken? Sehen Sie vielleicht noch weitere Vor- und Nachteile, die wesentlich für eine Prämiengestaltung sind?

 

Hinweis: Einen ausführlicheren Beitrag hierzu finden Sie in unserem Themendossierarchiv.


Diana Teubert
Diana Teubert ist seit 2012 für die Versicherungsforen Leipzig tätig. Im Kompetenzteam »Antrag, Vertrag & Schadenmanagement« setzt sie sich mit aktuellen Fragestellungen der Versicherungswirtschaft im Bereich Smart Home und Telematik auseinander und verantwortet alle Themen im Bereich Antragserfassung und -bearbeitung, Leistungsprüfung sowie Leistungsregulierung.